Noch in demselben Jahre 1868 ging das Haus an den Fabrikanten Ernst Benjamin Koch käuflich über, der darin die bekannte Metall- und Glasbuchstabenfabrik Koch und Bein errichtete. Bald bedeckten Firmenschilder, Medaillen und Hoflieferantenwappen die alte Hausfassade, und rechts und links am Eingang bezogen die nackten Männer des preußischen Wappens in Zinkguß freiplastisch, über anderthalb Meter hoch, auf Sandsteinpostamenten die Torwacht, natürlich mit Genehmigung der hohen Behörde, „da", wie es in den Akten heißt, „weder in Verkehrs- noch in straßenbaupolizeilicher Beziehung Bedenken obwalten, und die Anlage, an deren geschmackvoller Ausführung nicht zu zweifeln ist, der Brüderstraße nur zur Zierde gereichen könnte". Mehrfach drohte ein völliger Umbau, der aber immer wieder vertagt wurde, bis die Firma sich 1888 entschloß, nach der Ritterstraße 49 überzusiedeln und das Gebäude dem weltbekannten Geschäftshause Rudolph Hertzog zu überlassen. Unter dem neuen Besitzer wurde hauptsächlich das alte Dach mit dem Fledermausfenster abgerissen, der Sims erhöht und die Fassade jener nüchternen Vereinfachung unterzogen, in der wir sie heute erblicken. Im Innern ist der „Saal" immer noch zu erkennen, wenn er auch durch ausgebrochene Wände und andere Veränderungen mit den anstoßenden Räumen in eine große Flucht zusammengezogen wurde.
Die Schinkelschen Gemälde hatte Julie Humbert im Einvernehmen mit ihrem ihr vorausgegangenen Ehemann König Wilhelm l. testamentarisch vermacht. Sie kamen in die 1876 eröffnete Nationalgalerie und wurden dort zum Teil „wechselnder Aufstellung" Vorbehalten. Direktor Jordan bewies ein gutes Auge, indem er nur zwei, den „Nachmittag" und den „Abend", malerisch fraglos die besten, in die Schausammlung aufnahm. Die anderen wurden teils deponiert, teils außer dem Hause gegeben. Lange Zeit hingen „Morgen", „Mittag" und „Nacht" in dem Raczynskischen Palais am Königsplatz im Anschluß an die dort aufgestellte Privatsammlung des Grafen, bis 1884 das einst von Friedrich Wilhelm IV. dem
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