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Geschichte der Reformation in der Mark Brandenburg / Adolph Müller
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zuͤndbare Maſſe geworfen, erſchrak anfänglich, da auf einmal ganz Deutſchland in Flammen ſtand, aber er faßte ſich bald, er- kannte ſeine Aufgabe und begann unerſchrocken und muthig den Kampf auf Leben und Tod. Nicht verblendet durch den allge meinen Jubel und Beifall, der bei ſeinem erſten Auftreten aus allen Gegenden Deutſchlands ihm entgegenſcholl, nicht einge ſchuͤchtert durch das drohende Wuthgeſchrei und die Schmaͤhun gen Tetzels und ſeiner Genoſſen, nicht zum Schweigen gebracht durch den matten, ohnmaͤchtigen Dialog des paͤpſtlichen Hoͤflings Sylveſter Prierias, noch durch die ſchlauberechnete Schrift des Ingolſtaͤdter Profeſſors Eck, nicht zaghaft bei dem baldigen Vers ſtummen jenes beifaͤlligen Jubels, bei der Lauheit feiner Freunde, bei der Unentſchiedenheit und Aengſtlichkeit Friedrichs des Wei; ſen verfolgt er von Gottes Geiſte getrieben feſt und raſch feine gefahrvolle Bahn: immer von neuem geſtaͤrkt durch das Studium der heiligen Schrift. Je länger deſto feſter in feinem Glauben, deſto klarer in ſeiner Erkenntniß greift er immer ruͤck ſichtsloſer und heftiger das Reich des Papſtes und des Klerus an: entſchieden widerſteht er den ſcholaſtiſchen Gruͤnden und päpft­lichen Drohungen Cajetans zu Augsburg, appellirt von dem uͤbel unterrichteten an den beſſer zu unterrichtenden Papſt und laͤßt ſich durch die beſchwichtigenden Worte des paͤpſtlichen Kammer herrn, Carl von Miltiz, zu Altenburg nur auf kurze Zeit beruhi gen. Durch Ecks Triumph nach der Disputation zu Leipzig nicht beſiegt und entwaffnet, erhebt er ſich vielmehr immer kuͤh ner über die Schwäche des Papſtthums und deſſen Vertheidiger, ſetzt beſtimmt als die einzige Regel des Glaubens und Lebens die heilige Schrift der Autoritaͤt der Kirchenlehrer, der Unfehl­barkeit des Papſtes, den Dekreten der Concilien entgegen, erſchuͤt­tert durch ſeine Schrift an den Kaiſer und den chriſtlichen Adel deutſcher Nation die roͤmiſche Hierarchie in ihren Grundfeſten, offenbart in ſeinen Buͤchern von der Meſſe, von der Babyloni­ſchen Gefangenſchaft der Kirche und von der chriſtlichen Freiheit die Grundirrthuͤmer des Katholicismus, ſchraͤnkt darin die ſieben Sakramente der Kirche auf drei ein, verwirft die Wirkſamkeit und Verdienſtlichkeit der guten Werke und fordert ſtatt aller Be­obachtung der Menſchenſatzungen den zur Seligkeit allein noth­