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Geschichte der Reformation in der Mark Brandenburg / Adolph Müller
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menſchlicher Wiſſenſchaft verbreitete, mit jugend dlicher Liebe und Freude zuwandten, theils weil die Lehrer in der Betrachtung die ſes Verfalls unzufrieden und ſogar der neuen Anſichten wegen unter ſich uneinig wurden. Joachim II. hatte von ſeinem Vater die Liebe zu den Wiſſenſchaften als Erbtheil erhal lten, und beei ferte ſich daher, ſeine Univerſitaͤt wieder in Aufnahme zu brin gen. Ohne Ruͤckſicht auf ihre Glaubensmeinungen berief er die beſten und gelehrteſten Manner dahin und ſtellte fie mit erhöͤh­tem Gehalte an. Unter ihnen leuchtete beſonders der Juriſt Georg Sabinus hervor. Er war zehn Jahre lang Schuͤler und Hausgenoſſe Melanchsthons geweſen, und hatte deſſen Tochter Anna zur Ehe genommen). Um den maͤrkiſchen Adel zu wiſ­ſenſchaftlicher Bildung anzureizen, ſchickte Joachim II. ſeine bei den aͤlteſten Prinzen mit ihren L'ehrern nach Frankfurt, beſchraͤnkte den Beſuch auslaͤndiſcher Univerſitaͤten, gründete Stipendien für die Studirenden und ſchenkte außerdem ſpaͤter der Univerſitaͤt das Karthaͤuſerkloſter, welches die Mönche bei dem Wechſel der Verhaͤltniſſe fruͤhe verließen. Solche Maaßregeln aber mußten fuͤr die Verbreitung des reinen Evangeliums die ſegensreichſten Folgen haben; denn wahre wiſſenſchaftliche Bildung gibt und entwickelt auch fromme und demuͤthige Geſinnungen, und leitet die Blicke von dem Ceremoniell, das junge Gemuͤther ſonſt leicht beſtechen koͤnnte, auf die Betrachtung der Lehre und des innern Weſens der Kirche. So wirkte alſo Joachim II. ungeachtet ſei­ner anfaͤnglichen ſcheinbaren Unentſchiedenheit auch ſchon damals vortheilhaft fuͤr die Reformation, und wir muͤſſen hinſichtlich ſei­nes Zauderns den Worten eines fruͤhern Hiſtorikers beiſtimmen: Sei dem, wie ihm wolle, Gott hat ſeine Stunden und ruft den einen früher, den andern ſpaͤter in feinen Weinberg*). So war alſo in den Jahren von 1535 1539 in der Mark ein interimiſtiſcher Zuſtand herrſchend, und dieſer war dem Lande hinſichtlich ſeiner weltlichen Wohlfahrt auch vollkommen zutraͤg­

*) Näheres findet ſich über dieſen intereſſanken und gelehrten Mann in Seidels Bilderſammlung, edirt von Küſter, S. 48.

**) Hiſtorie des Lutherthums von Seckendorf S. 1828. Garcaeus suecessiones familiarum et res gestae illustr. praesid. March

Brand. p. 259.