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lich; die Religionsverbeſſerung, die an fo vielen andern Orten in Deutſchland mit Tumult und Aufruhr verbunden war, und zum Theil Ungluͤck und Truͤbſal uͤber viele Familien brachte, ging hier auf dem friedlichſten Wege von Statten, und die neuen Verhaͤltniſſe machten und fanden ſich gleichſam von ſelbſt. Der ehrwuͤrdige Biſchof von Brandenburg, der die Geſinnungen ſeines Landesherrn kannte, handelte durchaus im Einverſtaͤndniſſe mit Luthern, ſuchte, wenn es Noth that, Rath, Beiſtand und Unterſtuͤtzung bei ihm, und wirkte auf dieſe Weiſe ſo ſegensreich, daß, als endlich die Zeit gekommen war, in welcher der Kurfuͤrſt ſich oͤffentlich fuͤr die neue Lehre bekannte, alle Gemuͤther in dem Grade vorbereitet waren, und mit Ausnahme der hohen Geiſtlichen und der Moͤnche die Reformation ſo willig und freudig aufnahmen, als ob damit nur ein lange gehegter ſehnlicher Wunſch erfuͤllt wuͤrde. Melanchthon ſchildert den religioͤſen Zuſtand der Mark in jener Zeit in einem Briefe an Juſtus Jonas auf folgende Weiſe):„Das Volk duͤrſtet wunderbarlich nach der heiligen Lehre, ein großer Theil des Adels begehrt ihrer, und der Fuͤrſt billigt ſie, indem er nemlich nicht ohne Gruͤndlichkeit uͤber ſie urtheilt, und ſeinem Volke die Hoffnung erhaͤlt, daß er die Kirche reformiren werde. Es widerſtreben aber die Pfaffen, deren das Land eine große Menge hat, und die ich nirgends verderbter und dummer, ich moͤchte ſagen, barbariſcher gefunden habe. Sie ſind unwiſſend, roh, anmaßend, widerwaͤrtig, von unglaublicher Halsſtarrigkeit, und aufgeblaſen durch die außerordentliche Meinung, die ſie von ihrer Weisheit und Ge— lehrſamkeit haben. Sie ſind es, die theils mit offenbarer Ge— walt, theils mit Liſt widerſtehn“) und der Verbreitung der Wahrheit Hinderniſſe zu bereiten ſuchen.“ Man ſieht aus dieſer Schilderung wohl, daß, wenn der Kurfuͤrſt feinen gemaͤßigten Principien treu bleiben, und die unter der vorigen Regierung uͤbermuͤthig gewordene Geiſtlichkeit durch Zwangsmaaßregeln
*) Seckendorf historia Lutheranismi, III. 66.— Schmidts brand. Reform. Geſch. p. 175.
**) Sie drohten z. B. dem gemeinen Volke mit Mißwachs, Ungewittern, Viehſterben, Peſt u. ſ. w. wenn fie der neuen Lehre im Geringſten würden Gehör geben.