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mit der neuen Ordnung der Dinge einverſtandene Maͤnner ein— ſetzte. Joachim II., der eben nicht auf ſo oͤffentliche und ent— ſchiedene Weiſe, wie andere Fuͤrſten aus dem roͤmiſch-katholiſchen Kirchenverbande ausſcheiden, ſondern durch die groͤßtmoͤglichſte Beibehaltung der äußeren Formen dieſe oͤffentliche und entſchiedene Ausſcheidung vermeiden wollte, mußte vorzugsweiſe darauf ſogleich bedacht ſein, der Kirche ſeines Landes eine ſolche aͤußer— liche Verfaſſung zu geben, wie er fie feiner oͤffentlichen Stellung fuͤr angemeſſen hielt. Von ſolchen Ruͤckſichten beſtimmt und um der Geiſtlichkeit des Landes die Verbeſſerungen annehmlicher zu machen, ließ er die Entwuͤrfe zu denſelben Anfangs nicht von proteſtantiſchen Predigern des Auslandes, ſondern von einheimi— ſchen katholiſchen Prieſtern verfertigen. Einen ſolchen Entwurf, von einem Moͤnche aus der Mark abgefaßt, verſah er ſelbſt mit eigenhändig an den Rand geſchriebenen Anmerkungen, und ſen— dete ihn darauf zur Begutachtung an Melanchthon. Dieſer fand aber in dem Aufſatze grobe Irrthuͤmer, beſonders in der Lehre von der Rechtfertigung. Er rieth dem Kurfuͤrſten, dieſen Ent— wurf zu unterdruͤcken, und machte ſelbſt Verbeſſerungsvorſchlaͤge. Auch an Luther ſchrieb Joachim zu dieſer Zeit, daß er zwar gänzlich geſinnet wäre, ſich zu der evangeliſchen Religion zu bes kennen, meinte auch dieſelbe mit aufrichtigem Herzen, dennoch aber, was die aͤußerlichen Ceremonien mit den Prozeſſionen, Kreuzfahnen und dergl. belangte, ſolches muͤſſe man ihm laſſen. Worauf Luther geantwortet: daß wenn ſonſt der Kurfuͤrſt richtig in der Lehre wäre, es mit dieſem feine guten Wege Hätte 9.
Nach mancherlei Unterhandlungen der Art ward nun die Abfaſſung der brandenburgiſchen Kirchenordnung unter der Beauf— ſichtigung des Biſchofs von Brandenburg dem nachmaligen Ge— neralſuperintendenten Stratner und dem Domprobſt Buchholzer uͤbertragen, denen ſpaͤter noch Agricola aus Eisleben zugeſellt wurde. Sie machten ſich ſofort an die Arbeit, bei der ſie jedoch den Principien ſtreng folgen mußten, welche ihnen der Kurfuͤrſt zur Richtſchnur vorzeichnete. Wie großen Einfluß aber dieſe ———
*) Aus einem Manuſcript der Reform. Geſch. von Beckmann im Geheim. Staats Archiv: in de Wettes Sammlung ſteht der Brief nicht.