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Principien auf die Abfaſſung des Werkes ausuͤbten, und wie ſelbſtthaͤtig der Kurfuͤrſt bei dieſem Geſchaͤfte war, ſieht man theils daraus, daß ſich Buchholzer bei Luther uͤber mehrere Ar— tikel beſchwerte und bei deren Annahme er zauderte, theils aus den Vorreden zu den einzelnen Abſchnitten der Kirchenordnung, welche von Joachim II. ſelbſt verfaßt wurden. Der Titel des erſten Abdrucks iſt: Kirchenordnung im Kurfuͤrſtenthum der
Marken zu Brandenburg, wie man ſich beide, mit der Lehre
und Ceremonien, halten ſoll, von 1540.)— Dieſe neu chenordnung zerfiel in zwei Haupttheile, von denen der erſte Inhalt der Lehre, der zweite die Form des Gottesdienſtes feſt— ſtellte. Dem erſten Theile war ein Catechismus angehängt, der ebenfalls mit einer Vorrede des Kurfuͤrſten an die Prediger vers ſehen iſt. Was dieſen erſten Theil betrifft, ſo ſtimmte er aus den ſchon angeführten Gruͤnden mit der ſaͤchſiſchen und anspachi— ſchen Kirchenordnung in allem weſentlichen uͤberein, und wurde auch von Luther, Melanchthon, dem Nuͤrnbergiſchen Theologen Veit Dietrich und andern Gelehrten Deutſchlands, welchen der Kurfuͤrſt das Werk zur Beurtheilung vorlegen ließ, durchaus gut geheißen. Die Rechtfertigung durch den Glauben an Chriſtum ohne alles Verdienſt der Werke trat nach dem Sinne Luthers in dieſem Theile uͤberall als der Grundgedanke hervor. Solche, hieß es, welche wohl viel vom Glauben predigten, aber den aus— ſchließenden Glauben vermieden, ſeien verdaͤchtige und gefaͤhrliche Lehrer. Dabei wurde aber die Nothwendigkeit der guten Werke als der Fruͤchte des durch die Liebe thaͤtigen Glaubens anerkannt,
*) Mylius, corpus constitutionum Marchicarum, JI. 1. 6.— Schmidt in feiner Brandenburgiſchen Kirchen- und Reformationshiſtorie kannte nur die Ausgabe von 1542, und glaubte daher, die Kirchenordnung ſei erſt in dieſem Jahre gedruckt worden, allein es ſind noch jetzt beide Ausgaben vorhanden, die zwar im Weſentlichen übereinſtimmen, aber in einigen Aeußerlichkeiten verſchieden ſind, dahin gehört, daß die Seiten, beſonders in den erſten Bogen, nicht aufeinander treffen, daß in der erſten Ausgabe zwei Seiten Druckfehler beigefügt ſind, welche in der zweiten fehlen, woge gen die Correkturen im Texte ſelbſt vorgenommen ſind, daß in der erſten Ausgabe der Drucker nicht bekannt, und nur, aus dem vorgeſetzten Privile gium zu ſehen iſt, daß dieſer Hans Weiß war, daß endlich in der zweiten Ausgabe am Schluſſe der Beſtätigung des Biſchofs von Brandenburg, eine
aus Auguſtin angeführte Stelle„legite illud attendentes ect.“, fehlt.