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Geschichte der Reformation in der Mark Brandenburg / Adolph Müller
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dem Hochaltar fünf Meßaltäre. Zu katholiſcher Zeit wurde in dieſer Kirche die r Chriſti dem allgemeinen Streben nach Verweltlichung und Verſinnlichung des Chriſtenthums ge maß auf folgende wen dargeſtellt: Eine hoͤlzerne Figur, den Erloͤſer vorſtellend, wurde in die Hoͤhe gezogen, wobei Engel von Holz, an Stangen und Stricken befeſtigt, hin und her ge ſchwenkt und allerhand Kuchen als Gaben an das Volk vom Gewölbe herabgeworfen wurden. Der erſte evangeliſche Pfarrer an dieſer Kirche war von 1539 1558 Georg Kraasnich; Archi diaconen und Diaconen ſind geweſen Chriſtian Schreiber, Bene­dict Quirling, Stephan Cleinow, Johann Bittkow. An der Petripfarrkirche war der erſte evangeliſche Pfarrer Arnold Neck ling, vermuthlich von 1541 bis 1562 und Diakonus Johann Walter. Außer dieſen vier Hauptkirchen waren bei den ſieben Hospitaͤlern, die theils in, theils vor der Stadt lagen, ebenfalls ſieben Kirchen, welche jedoch bis zum dreißigjährigen Kriege ſaͤmmt lich eingingen. Ob die Johanniskirche, die reich an Reliquien

war, und deren Einkünfte 1540 dem Diakonus der Marienkirche

uͤberwieſen wurden, eine dieſer Hospitalkirchen war, iſt unge wiß. In einiger Entfernung von der Stadt auf dem Felde ſtand die Kreuzkapelle, wohin jährlich eine Prozeſſion, die Saatweihe genannt, gehalten ward, um Segen fuͤr die Feldfruͤchte zu er flehen. Auch die ſogenannten Seelenbaͤder, die von den Ber; wandten eines Verſtorbenen zu deſſen Seelenheil genommen und wobei die Armen geſpeiſet wurden, fanden hier wie in den Hos pitälern häufig ſtatt. Von den drei Kloͤſtern ward das(Frans ziskaner⸗) Moͤnchskloſter 1510 theilweiſe und 1553 ganz, da es von den Mönchen verlaſſen war, dem Magiſtrat zur Errichtung einer Schule uͤbergeben; die beiden Nonnenkloͤſter, das eine zu St. Annen, Franziskaner Ordens, das andere zu St. Kathari nen, Auguſtiner Ordens,= noch lange fort, wie denn überhaupt durchgängig weit milder und nachſichtiger gegen die Nonnen, als gegen die M verfahren worden iſt. Bei der Kirchenviſitation 1540 wurde den Nonnen zu St. Annen die Freiheit gegeben, das Kloſter zu verlaſſen, oder darin zu bleiben. Da aber mehrere heimlich oder bei Nacht aus demſelben gegan

gen waren, und nachher doch Anſpruͤche an daſſelbe machten, ſo