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Geschichte der Reformation in der Mark Brandenburg / Adolph Müller
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und doch die Geſchicklichkeit, fo gelart und genugſam nicht waͤ ren, ſelb zu predigen und das Pfarramt mit aller Nothdurft zu verſorgen, ſie allewege einen geſchickten, tuͤchtigen, gelarten und Gottforchtigen Prediger ſollen alldo halten, haben und demſelben jerlich ein Hundert Gulden von der Probſtei Einkommen zur Beſoldung geben, dazu auch mit bequemer, freier Wohnung oder Behauſung verſorgen. Es wurde daher Lucas Schutte als Pfarrer angeſtellt, und als dieſer 1542 abging, und der Probſt von Arnim noch nicht zuruͤckgekehrt war, ſo erhielt der bisherige Diakonus Tilemann Eppinger nicht nur das Pfarramt, ſondern auch die Superintendentur. Die proͤbſtliche Wuͤrde dauerte zwar bis in die neueſte Zeit fort, aber die Beſitzer dieſer Pfruͤnde waren durchaus weltlichen Standes. Eppinger wird der Unver träͤglichkeit mit feinen Amtsgenoſſen bezuͤchtigt, und geht, ver; muthlich entlaſſen, 1514 nach Hamburg. Ihm folgte Nicolaus Borſtmann, der ſammt ſeinen beiden Kollegen die in Folge des Interims veränderte Kirchenordnung nicht annehmen wollte, vom Kurfuͤrſten 1552 deshalb abgeſetzt wurde und nach Hamburg ging. In dieſer Zeit verwaltete ein ſonſt unbekannter Andreas das Pfarramt und die Marienkirche war von Oſtern bis Pfing­ſten ganz ohne Prediger, bis 1553 Nicolaus Krage als Super intendent und ein neuer Diakonus ankam. Krage kam aus Kop­penhagen, wo er der geſammten daäniſchen Kirche vorgeſtanden, von wo er aber einer fleiſchlichen Verirrung halber war entfernt worden. Der Rath der Altſtadt Salzwedel hatte kaum von der Abſicht des Kurfuͤrſten gehört, dieſen Mann zu berufen, als er ſogleich Nachrichten von Koppenhagen einzog und dieſe nach Ber­lin überſandte. Der Kurfuͤrſt erwiderte, er ſei vom Gegentheil uͤberzeugt und es habe ſich der Angeklagte an den Orten, wo er geweſen, dermaßen verhalten, daß er ihn mit großen Unkoſten, Muͤhe und Arbeit kaum erlangen und hierher zu kommen ver; mögen koͤnnen. Ferner heißt es im Betreff des Fehltritts, deſ ſen Krage angeſchuldigt wurde:Wiewohl er aber deshalb bei uns wohl entſchuldigt, ſo iſt uns doch viel lieber, wo eins ſein ſollte, daß er bei Euch zehn natuͤrliche Kinder haͤtte, denn daß er dazu ſollte Urſach geben, daß einmal Aufwiegelung und Auf ruhr angerichtet wuͤrde. Und wo ihr euch gleich um einen