Druckschrift 
Geschichte der Reformation in der Mark Brandenburg / Adolph Müller
Entstehung
Seite
262
Einzelbild herunterladen

nan

dazu ſoll die Domina des Kloſters bei den Jungfrauen verſchaf fen, daß die Meidlein, ſo Ine angeboten würden, ſollen anneh men. Dokegen ſollen ſich auch der Meidlein Oeldern mit den ſelben Jungfrauen vertragen um ſolche Mühe. Außerdem ſchrieben die Viſitatoren den Nonnen eine gewiſſe Ordnung vor, und beftätigten ihnen den Prediger Joachim Buſtaͤdt zum Seel ſorger; dennoch kam das Kloſter in Abnahme und 1550 fanden ſich nur 16 Nonnen darin. 1554 uͤberließ der Kurfuͤrſt das Klo ſter ſammt allen Einkünften dem Magiſtrat gegen Zahlung von 800 Gulden, und heißt es, damit das Kloſter nicht in fremde Hände komme und ein Theil des Einkommens zum Hospital für arme Buͤrger verwendet werde. Der Convent ſcheint alſo faſt ganz ausgeſtorben geweſen zu ſein. Die dem Kloſter zugehörige Nicolaikirche verlor ihren Prediger, blieb aber für Wochenpredig ten im Gebrauch. Das Auguſtiner Moͤnchskloſter zum heiligen Geiſt vor der Altſtadt war das am meiſten berechtigte und be guͤterte aller Salzwedelſchen Kloͤſter und deshalb waren ſeine Be­wohner, regulirte Kanoniker, auch wohl am meiſten in Ueppigkeit verſunken. Bei einer fruͤheren ſo genannten Kloſterreformation 1470 mußten die Viſitatoren die weltliche Macht zu Huͤlfe ziehen, weil Probſt und Mönche ſich in Guͤte nicht unterwerfen nnd ſelbſt die Pforten des Kloſters nicht oͤffnen wollten). Daher ver fuhr aber auch Joachim IL. gegen daſſelbe durchgreifender und raſcher, als er ſonſt zu thun pflegte; denn obwohl berichtet wird, daß die Mönche ſich zur Annahme des gereinigten Evangeliums bequemten, ſo befand ſich doch ſchon 1540 Franz von Bartens leben im Beſitz des Kloſters und nennt ſich Pfandinhaber deſſel­ben. Die Kirche des Kloſters, welche zehn Altaͤre hatte, erhielt als erſten evangeliſchen Prediger Stephan Praͤtorius und beſtand fort. Das Hospital und die Kapelle des h. Georg vor der Alt ſtadt blieb bis in die neueſte Zeit unverändert. 1541 wurde der bisherige Commendiſt Lamprecht Ahlermann zum erſten evangeli ſchen Prediger in der Hospitalkirche beſtellt und verpflichtet, Sonntags und Freitags zu predigen, die Kranken und Armen zu beſuchen, zu troͤſten und ihnen das Abendmahl zu reichen,

*) S. 48 f.