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Geschichte der Reformation in der Mark Brandenburg / Adolph Müller
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wenn fie es begehrten. Die Lorenzkirche iſt ſeit 1692 ein Salz, magazin, und die Nachrichten uͤber ſie ſind daher bei dem Man­gel eines lebendigen Intereſſes ſehr ſpärlich. Man weiß nur von 3 Altaͤren, die in katholiſcher Zeit darin geweſen find, und daß die Kalandsherrn und andere Bruͤderſchaften ſich vorzugsweiſe zu derſelben hielten. Die Annenkapelle auf der Burg hatte zur Zeit der Reformation einen Prieſter und einen Kuͤſter, welche den Gottesdienſt fuͤr das Hofgeſinde beſorgten. Was die Viſitatoren uͤber ſie beſtimmt haben, iſt nicht bekannt: 1545 beſtand ſie noch; denn in dieſem Jahre ließ der Kurfuͤrſt ein in ihr brennendes ſo genanntes ewiges Licht, deſſen Unterhaltung jahrlich 15 Gulden koſtete, ausloͤſchen und uͤberwies die Einkuͤnfte der Domkirche zu Coͤln a. d. Spree. Die Erben der Stifterin machten Gegenvor ſtellungen, wurden aber abgewieſen. Die Beſitzer der Burg hat­ten ſpaͤter und haben noch jetzt das Recht, ſich einen Kaplan zu halten. Die Gertraudskapelle mit einem Hospital fuͤr Pilgrimme vor der Altſtadt verlor bei der Reformation ihren eignen Prieſter, und wurde ſeitdem nur bei Leichenbegaͤngniſſen gebraucht. Das Hospital ging im 17. Jahrhundert ein und wurden ſeine Ein kuͤnfte zu anderen frommen Zwecken verwendet. Das Beguinen haus, in das ſich arme Wittwen und Jungfrauen zuruͤckzogen, und nach gewiſſen Vorſchriften lebten, ſich z. B. ſchwarz kleide­ten, ohne die Kloſtergeluͤbde abzulegen, und alſo mit der Freiheit, ſich zu verheirathen, blieb nach der Reformation in unveraͤndertem Zuſtande. Die lateiniſche Schule war ſeit alter Zeit in einem Gebaͤude auf dem Marienkirchhofe; 1541 wurde das Franziska; nerkloſter zum Schulhauſe eingerichtet, und anfangs zwei, ſpaͤter fuͤnf Lehrer dabei angeſtellt. Von dem Schulmeiſter, fuͤr den ein Einkommen von 60 Gulden verordnet war, heißt es im Vi ſitationsreceß:der ſoll der Oberſt oder Superintendent fein: neben ihm ſollte lehren ein gelahrter Geſelle und deſſen Beſol dung aus 40 Gulden beſtehen. Rhetorik, Grammatik und Dias lektik wurden als Hauptlehrgegenſtaͤnde bezeichnet; dann iſt auch des Katechismus, der Stieluͤbungen, der Muſik und der morali ſchen Ausbildung gedacht. Sonntags mußten die Schuͤler am Morgen das Amt und Nachmittags die Vesper ſingen. In der Woche mußten ſie den Predigten der Kloſterkirche beiwohnen,