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Geschichte der Reformation in der Mark Brandenburg / Adolph Müller
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und vor und nach der Predigt einige lateiniſche und deutſche Pſalmen ſingen. Die Dienſtleiſtungen der Lehrer bei Hochzeiten, Kindtaufen und anderen Gelagen und ihre und der Schuͤler amtliche Theilnahme an Prozeſſionen, Leichenbegaͤngniſſen und dergl. dauerte fort. Erſter evangeliſcher Lehrer, der auch eine Commendiſtenſtelle bekleidete, war ſchon 1540 Paul Lauenroth, 1544 folgte ihm Mag. Swipert Grunge und 1548 1552 Gott­ſchalk Schulz, der ſpaͤter den Namen Abdias Praͤtorius annahm und Profeſſor in Frankfurt und Wittenberg wurde. Die Katha rinenkirche in der Neuſtadt war Hauptpfarrkirche und hatte vor der Reformation ſtets 4 Geiſtliche, welche der Probſt des Augu ſtinerkloſters vor der Altſtadt, der Patron dieſer Kirche, aus feinem Kloſterconvente erwählte. Bei der Kirchenveraͤnderung kaufte der Magiſtrat dem Kloſter das Patronatsrecht ab. Von Altären ſind ſechs bekannt; auch war bei dieſer Kirche eine Bruͤ derſchaft des Leibes Chriſti. Obwohl die Auguſtiner und die an deren Meßprieſter, welche nicht davon gegangen waren, ſich zur Annahme der neuen Kirchenordnung mögen willig gezeigt haben, ſo waren 1541 doch weder die Viſitatoren, noch die Gemeinde mehr mit ihnen zufrieden, und der Magiſtrat ward dringend auf: gefordert, einen gelehrten und gottesfuͤrchtigen Prediger vorzu ſchlagen. Dieſer war Joachim Muͤller, der dem Pfarramt bis 1563 vorſtand. Das Hospital und die Kirche zu St. Eliſabeth in der Neuſtadt haben durch die Reformation keine Veränderung erlitten und beſtehen noch jetzt wie vor 300 Jahren. Der Got tesdienſt in der kleinen Kirche wird von den Predigern der Ka tharinenkirche beſorgt. Die Schule der Neuſtadt war ebenfalls eine ſogenannte lateiniſche Schule und erhielt durch die Kirchen: viſitatoren 1541 dieſelbe Einrichtung wie die in der Altſtadt, doch hatte der Meiſter nur eine Beſoldung von 40, der Geſelle nur von 25 Gulden. Auch war ſie uͤberhaupt der altſtaͤdtiſchen untergeordnet. Später erhielt fie wie jene fünf Lehrer: einen Rector, Conrector, Subconrector, Cantor und Quintus. Bei der Viſitation wurde 1541 Paul Schulze aus Salzwedel an geſtellt. Die Kalandsbruͤderſchaft beſtand aus einem gro ßen und einem kleinen Kaland in der Alt- und Neuſtadt und

ſcheint beguͤtert geweſen zu ſein. Seine Haͤuſer in der Stadt