brachte der Magiſtrat an ſich und gab ſie den Predigern zu Wohnungen.)
Hiermit war ein Haupttheil der geſammten Markgrafſchaft, die Altmark, für den neuen Zuſtand der religidſen Entwickelung gewonnen. Vermuthlich trug der Umſtand, daß dieſe Gegenden auswärtigen Didceſen angehörten, dem biſchoͤflichen Sprengel von Halberſtadt naͤmlich und von Verden, zur durchgreifenden Ver— beſſerung der kirchlichen Verhaͤltniſſe weſentlich bei, da die Viſitatoren hier nicht, wie in den anderen Marken durch die Ruͤckſicht fuͤr die Landesbiſchoͤfe bei jedem Schritte gehemmt waren. Auch mag die weſtlichere Lage, der größere Verkehr mit Sachſen und Heſſen, beſonders mit Magdeburg, das damals die einflußreichſte Stadt im oͤſtlichen Deutſchlande war, zur Befoͤrderung der Ne: formation in der Altmark beigetragen haben.
Schwieriger als in dieſem Landestheile war das Geſchaͤft der Viſitatoren in der Mittelmark. Schon im Jahre 1540, wahrſcheinlich als ſie von Wriezen ſich nach Stendal begaben, hatten die kurfuͤrſtlichen Commiſſaire Nauen und Rathenow beſucht, und die neue Kirchenordnung eingefuͤhrt. In Nauen hatte 1539 der daſige Prieſter Georg Rhinow auf des Biſchofs von Jagow Wunſch die gereinigte Lehre angenommen und wurde durch die Viſitatoren als Oberprediger und Superintendent beſtaͤtigt; auch wurde durch den Viſitationsabſchied beſtimmt, daß der Magiſtrat den Oberprediger erwählen, aber vom Kurfuͤrſten beſtaͤtigen laſſen ſolle. Die Wahl des zweiten Predigers und der Schullehrer wurde ihm und dem Oberpfarrer unbedingt zugeſtanden. Später machte das Domſtift zu Brandenburg das ihm durch die Viſitation entzogene Patronatsrecht wieder geltend und der Magiſtrat mußte es ihm 1724 abkaufen. Die beruͤhmte Marienkirche zu Neukammer, welche der Wunderwerke, die daſelbſt geſchahen, und des Ablaſſes wegen, den ſie zu ertheilen hatte, bis zur Res formation viel von Wallfahrern beſucht worden war, wurde mit Bewilligung Joachims II. 1545 in ein Vorwerk verwandelt. Von einer Knabenſchule in Nauen mit einem Meiſter und einem
*) Beckmann, Beſchreibung der Mark, Band 2.— Pohlmann, Ge
ſchichte von Salzwedel. Archiv ſür preußiſche Geſchichte von v. Ledebur, VI. 300.