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Geſellen findet ſich erſt im Viſitationsabſchiede von 1578 beſtimmte Nachricht; doch wird ihrer als einer beſtehenden ſchon 1540 er— wähnt. Auf Georg Rhinow folgte als Inſpector oder Super— intendent Andr. Marſilius; als erſter evangeliſcher Diakonus wird Joh. Wegener genannt. Rathenow, das mit ſeinem Probſt zu dem biſchoͤflich brandenburgiſchen Kirchſprengel gehörte, hatte ſeit dem Regierungsantritte Joachims II. durch die Ver— ordnung des Biſchofs Jagow, daß es den Laien erlaubt ſein ſollte, die deutſche Bibel zu leſen, den Mönchen und Prieſtern aber, die Kloͤſter zu verlaſſen und zu heirathen, und das Abend— mahl unter beiderlei Geſtalt auszutheilen, ſich allmählig mit der Lehre Luthers bekannt gemacht und dieſelbe bei ſich eingeführt. Peter Richter war der erſte der vom Magiſtrat erwählten evangeliſchen Pfarrer und Inſpectoren der Kirche und der Schulen des Kirchſprengels: doch nahm er ſchon 1548 aus unbekannten Urſachen(vielleicht war er fruͤher katholiſcher Geiſtlicher und konnte ſich in die neue Kirchenordnung nicht finden) ſeinen Ab ſchied).
Nach Brandenburg kamen die Viſitatoren gegen Oſtern 1541. Dieſe Stadt war vor allen andern maͤrkiſchen Städten mit kirchlichen Gebäuden und Inſtituten angefuͤllt. Es waren daſelbſt eilf Kirchen: die Marienkirche, die Petrikirche, der Dom, die Gotthardskirche, die Johanneskirche, die Nicolaikirche, die Katharinenkirche, die Paulskirche, die h. Geiſtkirche, die Jacobs— kirche und die Annenkirche; vier Kloͤſter: das Ciſterzienſer-⸗, Dos minikaner⸗ und Franziskaner-Moͤnchskloſter, und das Domſtift Praͤmonſtratenſer Ordens; acht Hospitaͤler, von denen vier in der Altſtadt lagen: zum h. Johannes, zur h. Gertraud, zum h. Nicolaus, zum h. Geiſt; drei in der Neuſtadt: zum h. Geiſt, h. Jacob und zur h. Eliſabeth, und auf der Burg zum h. Pe trus. Durch den Einfluß des Biſchofs von Jagow hatte ſich hier ungeachtet des Widerſpruchs des Domkapitels und der Mönche, welche in den Kloͤſtern noch uͤbrig waren, die evange— ſiſche Lehre ſchon vor dem Jahre 1539 bedeutend ausgebreitet.
Wir finden daſelbſt außer Thomas Baitz ſchon 1536 einen zwei