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zu haben, denn 1539, heißt es, wagte es der Kirchenvorſteher Lietzmann mit einigen Tuchknappen, das lutheriſche Lied„Vater unſer im Himmelreich“ anzuſtimmen, wurde aber durch das laute Murren und Drohen der Mönche und der Anhaͤnger ders ſelben zur Flucht aus der Kirche gendthigt. 1564 hielt Mag. Buchow die erſte evangeliſche Predigt darin; die noch uͤbrigen Mönche wurden theils als evangeliſche Prediger angeſtellt, theils ließen fie ſich als Bürger nieder und ernaͤhrten ſich hauptſaͤchlich von Bierbrauen. Die Einkuͤnfte des Hospitals und der Kapelle zum h. Gertraud wurden 1541 zur Pfarrkirche geſchlagen, die übrigen Hospitaͤler in ihrem Beſtande gelaſſen. Die Haͤuſer der Kalandsbruͤder wurden zu Pfarrwohnungen eingerichtet, die Guͤ— ter derſelben dem Kirchenkaſten gegeben. Die Schule, die bisher aus einer Klaſſe beſtanden hatte, wurde durch die Viſitatoren 1541 in 2 Klaſſen getheilt und 3 Lehrer dabei angeſtellt: der Rector(Bernhard Hottorp) mit 40, der Cantor mit 25 und der Geſell oder Baccalaureus mit 20 fl. Gehalt. Die Auffuͤhrung grotesker Luſt- und Trauerſpiele von David und Goliath, Abraham und Iſaak u. ſ. w. blieben im beliebten Gebrauch. 1555 fuͤhrte die Schule auf dem Markte eine Comoͤdie von Daniel auf und erhielt vom Rathe 3 fl. 7 gr. und zwei Tonnen Bier zur Belohnung. Als ein ſonderbares Ereigniß iſt bemerkt, daß am 18. Febr. 1546, dem Todestage Luthers, die Pfarrkirche in Neu⸗Ruppin, wie einſt der Vorhang des juͤdiſchen Tempels, vom Gewoͤlbe herab bis fat zur Erde einen großen Riß bekam, und daß die wenigen daſelbſt noch vorhandenen Katholiken ſich dadurch beſtimmen ließen, zur evangeliſchen Religion uͤberzutreten).
Das Praͤmonſtratenſer⸗Nonnenkloſter zu Lindow wurde 1541 zu einem adligen Fraͤuleinsſtift umgewandelt. Das Kloſter war eines der bedeutendſten und reichſten des Landes, denn es hatte zufolge einer Beſtaͤtigungsurkunde Joachims J. vom Jahre 1530 als eigenthuͤmliche Beſitzungen die Stadt Lindow mit der Gerichtsbarkeit dem Kirchenlehn, drei Muͤhlen, zwei Seen und allen Garten und Ackerzinſen, die Pächte, Zinſen, das Patro—
*) Die Graſſchaft Ruppin von Bratring, Berlin 1799, S. 252.