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Geschichte der Reformation in der Mark Brandenburg / Adolph Müller
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. r Zuſtand Hätte lange währen koͤnnen; der tiefen Erniedrigung er Evangeliſchen mußte eine kraftige Erhebung folgen und das ber e, Verhaͤltniß beider Partheien ſich bald herſtellen. Der Kur fuͤrſt Joachim II. überzeugte ſich immer mehr von der Willkuͤhr lichkeit, mit welcher der Kaiſer die errungene Macht jetzt miß brauchte, und erkannte wohl, daß weder das Tridentiniſche Con­eil(1515 1563), das unter der Leitung des Papſtes zur Bei legung der kirchlichen Streitigkeiten abgehalten wurde, aber nur die Proteſtanten noch beſtimmter von der päpſtlichen Kirche trennte, noch der Kaiſer Willens ſei, den evangeliſchen Fuͤrſten kirchliche oder politiſche Geltung zu gewähren. Er knuͤpfte daher mit ſeinem Bruder und dem Kurfuͤrſten Moritz von Sachſen, denen nächſt ihm allein die Rettung der Glaubensgenoſſen jetzt moglich war, nähere Verbindungen gegen den Kaiſer an und ge lobte dem Kurfürſten Moritz im Ungluͤcksfalle eine feſte Stuͤtze, ein ſicherer Ruͤckhalt zu ſein.) Dieſer ruͤckte nun mit einem zur Achtsvollſtreckung gegen Magdeburg geſammelten Heere ploͤtz lich 1552 ſo raſch gegen den ungeruͤſteten Kaiſer bis nach Tyrol vor, daß derſelbe den gefangenen Fuͤrſten Freiheit und den Lu

theranern gleiche Rechte mit den Katholiken im Paſſauer Ver trage zugeſtand. Im Jahre 1555 wurde dieſer Vertrag durch den Augsburger Religionsfrieden beſtaͤtigt und die evangeliſche Kirche erlangte ſo endlich politiſche Anerkennung. Joachim trug dazu reichlich bei. Zu Anfange des Jahres 1555 naͤmlich hatten ſich die Häupter der Proteſtanten zu Naumburg verſammelt, an geblich, um die heſſiſch⸗ſächſiſch⸗brandenburgiſchen Erbvertraͤge zu erneuern, in der That aber, um gemeinſchaftlich uͤber das Ver fahren zu berathen, welches ſie auf dem von dem Kaiſer nach Augsburg berufenen Reichstage beobachten wollten. Joachim war perſoͤnlich gegenwärtig und der bedeutendſte Fuͤhrer der Ver handlungen*); ſaͤmmtliche verſammelte Fuͤrſter gaben ſich endlich gegenſeitig das Verſprechen, unwandelbar bei der Augsburgiſchen Confeſſion verharren zu wollen, theilten dies dem roͤmiſchen nige Ferdinand mit, und erklärten ſich nur unter der Bedingung

*) He 12. Geſchichte des brandenburgiſchen Staats, JI. 2. 731 **) P n.. Staats e, III. 134