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teren und durchgreifendern Verwaltung der Kirchen-Angelegen— heiten waren die vorzuͤglichſten Pfarrer in den bedeutenderen Staͤdten des Landes zu Inſpektoren oder Superintendenten uͤber die Kirchen und Schulen der einzelnen ihren Sitz umgebenden Landestheile ſchon von den Viſitatoren eingeſetzt worden. Dieſe bildeten nun die kirchlichen Unterbehoͤrden und wurden von dem Conſiſtorium in dem ganzen kirchlichen Geſchaͤftsgange geleitet und beaufſichtigt. Dem Conſiſtorium wurde zur Pflicht gemacht, mit Huͤlfe der Superintendenten nach Maaßgabe der kurfuͤrſtlichen Kirchenordnung fuͤr die Erhaltung der reinen wahren Lehre, des angeordneten Gottesdienſtes, des guten Wandels der Kir— chendiener wie der chriſtlichen Zucht und des kirchlichen Eifers in den Gemeinden zu wachen, die Amtsverwaltung der Geiſtlichen zu beaufſichtigen, die Rechte der Kirchenbeamten gegen Beein— tkächtigung zu ſchuͤtzen, auf die Kirchengebäude und auf die Sicherung des Kirchhofs als eines wahren Friedhofes Acht zu haben. Zugleich wurde ihm das Recht uͤbertragen, an der Stelle des Kurfuͤrſten das Patronatsrecht zu uͤben und die Introduction der Pfarrer zu beſorgen, uͤber kirchliche Spaltungen und dogmatiſche Streitigkeiten abzuurtheilen, uͤber die Rechtsguͤltigkeit der Che: buͤndniſſe zu entſcheiden, den von ihren Maͤnnern verlaſſenen oder mißhandelten Ehefrauen Huͤlfe zu verſchaffen, außerdem die Gerichtsbarkeit und das Strafrecht uͤber Ehebruch, Nothzucht, Blutſchande, offentlichen Wucher, Mißhandlung der Eltern durch die Kinder, Gotteslaͤſterung, Geſpoͤtte wider das Evangelium, die chriſtliche Lehre und kirchlichen Ceremonien, uͤber heimliche Verbindung der Chriſten mit den Juden, und uͤber Meuterei der Kuͤſter gegen ihre Pfarrer zu verwalten. Der Gebrauch des Bannes bei Beſtrafung ſolcher Vergehen wird zwar dem Conſi— ſtorium, und mittelbar auch den Geiſtlichen erlaubt, doch ſoll er
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rath ſein vnd ſich dafur gebrauchen, auch der ſachen ſo den Hofrethen ge buren trewlichen gewarten, Vnd was jn Religionsſachen zu ſchreiben vnd zu ſollicitiren furfallen wurde, Daſſelbige vnter Handen haben, fertigen, auch fur eine Aſſeſſore jn dem geiſtlichen Conſiſtorio alhie ſitzen“ u. ſ. w. Er erhielt 200 Gulden Gehalt, Hoflleidu ug und alle drei Jahr ein Ehrenkleid.
Zur Erbauung eines Hauſes in Cöln verſpricht ihm in jener Urkunde der Kurfürſt 500 Gulden zu ſchenken.