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Geschichte der Reformation in der Mark Brandenburg / Adolph Müller
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ohne Sarg in ihren Kappenmaͤnteln, das Geſicht mit einer hoͤl­zernen Schuͤſſel bedeckt, begraben. Statt des katholiſchen Prob­ſtes beſorgte nun aber ein Hauptmann, der in der Probſtei wohnte, die oͤkonomiſchen Angelegenheiten des Kloſters. Jetzt beſteht das Kloſter als adliges Fraͤuleinſtift aus einer Vorſteherin und ſechs Stiftsdamen.

Der markgraͤfliche Biſchof Friedrich ſelbſt war bei dieſen und aͤhnlichen kirchlichen Verbeſſerungen in der Priegnitz wenig thaͤtig, da er 1550 nach Johann Albrechts Tode zum Erzbiſchof von Magdeburg und bald darauf auch zum Biſchof von Halberſtadt erwaͤhlt, ſich nur ſelten in der havelberger Didceſe aufhielt. Er ſtarb ſchon 1552 und jetzt wollte der Kurfuͤrſt Joachim das Stift ganz an ſich ziehen, ohne jedoch das Capitel aufzuheben. Er verordnete deshalb 1553 Georg von Blankenburg mit dem Titel eines Stiftshauptmannes zum Verwalter des Bisthums, traf jedoch ſchon im folgenden Jahre ein Abkommen mit dieſem, der wegen einiger dem Kurfuͤrſten geleiſteter Vorſchuͤſſe zugleich Pfandinhaber der biſchoͤflichen Tafelguͤter war, und uͤbertrug das Bisthum ſeinem aͤlteſten Enkel Joachim Friedrich. Waͤhrend der Minderjährigkeit deſſelben verwaltete fein Vater, der Kurprinz Johann Georg noch das Stift als Adminiſtrator; muͤndig ge: worden aber leitete er ſelbſt die Angelegenheiten des Bisthums bis zu ſeines Vaters Tode abgeſondert von der Regierung des Kurlandes. Bei ſeinem Regierungsantritt aber 1598 verſchmolz er beide Stiftsländer, Brandenburg und Havelberg mit den lan desherrlichen Beſitzungen; die Tafelguͤter des Biſchofs wurden theils zu kurfuͤrſtlichen Aemtern gemacht, theils an Adlige, z. B. Plattenburg an die von Saldern veräußert. Das Domeapitel ward auch hier beibehalten und nach Abſterben der katholiſchen Domherren mit lauter Evangeliſchen beſetzt. Der letzte katholiſche Domprobſt war Johann von Wallwitz, der 1557 ſtarb, der erſte evangeliſche Lewin von der Schulenburg.

Wegen der Saͤculariſation des dritten maͤrkiſchen Hochſtifts, des Bisthums Lebus, hatte Joachim II. ſchon am 21. Decem­ber 1545 zu Coͤln a. d. Spree mit feinem Bruder Johann ein Uebereinkommen getroffen, nach welchem dieſer auf ſeine Forde rungen an den Kurfuͤrſten, die ſich auf 40,000 Thlr. beliefen,