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Geschichte der Reformation in der Mark Brandenburg / Adolph Müller
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Einwendungen vorzubringen. Da der Kurfuͤrſt jetzt von Seiten des Hauſes Oeſtreich, deſſen Eiferſucht auf die wachſende Macht Brandenburgs immer mehr hervortrat, den Verluſt der auswaͤr tigen Stiftsguͤter in Schleſien und in der Lauſitz fuͤrchten mußte, wenn er gegen das Domcapitel gewaltſam verfuͤhre, gelang es den Capitularen durch ihr beharrliches Widerſtreben, einen katho­liſchen Biſchof zu waͤhlen und deſſen Beſtätigung von Seiten des Landesherrn zu erhalten. Nichts deſto weniger erhielt 1551 der Markgraf Johann von ſeinem Bruder von neuem die Ver­ſicherung, daß ihm bei der naͤchſten Erled digung des Bisthums das Amt und Schloß Lebus unfehlbar eingeräumt werden ſollte. Der neue Biſchoͤf, Johann Horneburg, obwohl noch der päpft: lichen Kirche ſtreng zugethan, ließ doch die Abſchaffung vieler ka tholiſcher Mißbraͤuche und die Einfuͤhrung der kurfuͤrſtlichen Kir­chenordnung im Lande Lebus zu. Auch wurde, bald nachdem er das Biſchofsamt angetreten, vom Markgrafen Johann den Wun derwerken der heiligen Jungfrau zu Goͤritz ein Ende gemacht. Mit der Ausfuͤhrung dieſes Unternehmens beauftragt, machte ſich der Hauptmann im Lande Sternberg, Johann von Minkwitz, in der Nacht vor St. Veits-Tage mit einigen Buͤrgern von Droſ fen nach Goͤritz auf. Unterwegs geſellten ſich aus den Doͤrfern, welche zu beruͤhren waren, mehrere Bauern zu ihm, die die letz ten Stunden eines ſcheidenden Sonntags in der Schenke feier: ten, wodurch die ganze Begleitung zu einem Haufen von unge fahr vierzig Menſchen anwuchs. Mit ihnen kam der Landes hauptmann am 15. Junius Morgens um 3 Uhr vor Goͤritz an. Er ließ den Praͤcentor, den Aufſeher der St. Marienkirche, wecken, und forderte die Schluͤſſel zu derſelben, welche ohne Weigerung gereicht wurden. Kaum war die Kapelle geoͤffnet, ſo fielen die Leute, welche vor wenig Jahren dieſes Gebaͤude fuͤr den heiligſten Ort im Lande gehalten hatten, uber die Heiligthuͤ­mer her. Ein kleines hoͤlzernes Marienbild war das erſte, wel­ches von ſeinem Altare geworfen wurde. Ein größeres aus Marmor gebildetes widerſetzte ſich durch ſeine Schwere eine kurze Zeit den Anfaͤllen des darauf losſtuͤrmenden rohen Haufens, als lein A herbeigeholten He bezeuge mußte es weichen. Von ſei­nem Standorte geſtuͤrt, wurde es erſt des Kopfes beraubt, dann