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Staatsconnex verwaltete Bisthum Brandenburg die Adminiſtration erlangt hatte. Jenes Dankfeſt, deſſen jaͤhrliche Wiederholung zugleich verordnet ward, wurde von ihm auf den 5. Octbr. 1563 feſtgeſetzt. An dieſem Tage verſammelten ſich alle Prediger, Schullehrer und Schüler der Städte Berlin und Coͤln in der Domkirche auf dem Schloßplatze; es ward ein feierlicher Umzug gehalten, das Te deum laudamus geſungen, zwiſchen jedem Verſe erklang Trompeten⸗ und Paukenſchall und der Don: ner des großen Geſchuͤtzes. Am Ende des Feſtes erhielt jeder Kirchen, und Schuldiener einen Thaler, jeder Schuͤler einen Schilling. Die Hospitaͤler und Schulen wurden an dieſem Freudentage mit Wildpret, Brot, Bier und andern Nahrungsmitteln reichlich verſorgt Y). Es iſt des Menſchen wuͤrdig, dasjenige, was er durch die Gnade Gottes auf dem Gebiete des Geiſtes ſich erarbeitet und gewonnen hat, durch äußere Feier und Feſtlichkeit zu erheben und auch auf ſinnliche Weiſe Gott ſeine Freude und ſeinen Dank darzubringen. Hat doch Pythagoras, als er ſeinen beruͤhmten Lehrſatz gefunden hatte, den Goͤttern eine He fatombe geopfert und die ganze Bewohnerſchaft von Kroton zu ſeinem Feſtmahle eingeladen, wie ſollte der Chriſt nicht ſeine irdiſchen Guͤter in der Freude uͤber die Erlangung weit hoͤherer geiſtiger Guͤter zum Opfer bringen. Und Chriſtus ſelbſt hat dieſe Freude und Feier des Geiſtes auch geheiligt, da ihn in dem Hauſe des Lazarus zu Bethanien Maria mit den koͤſtlichen Narden ſalbte.
Am prachtvollſten und glaͤnzendſten wurde dieſes Dankfeſt im Jahre 1569 gefeiert, da das kurfuͤrſtliche Haus nach gluͤcklicher Ueberwindung vieler Hinderniſſe von Sigismund Auguſt von Polen ſowohl die Geſammtbelehnung mit Preußen als auch das Erbfolgerecht beſtaͤtigt erhalten hatte. Die Feier fand im September ſtatt. Unter dem Gelaͤute aller Glocken in Berlin und Coöln begann die Prozeſſion; voran ritten die Jaͤger und die kurfuͤrſtliche Reiterei, dieſen folgten die Hausbedienten des Kurfuͤrſten, ihnen alle Jungfrauen aus beiden Staͤdten, weißgekn*) Schmidts Einleitung zur brandenb. Kirchen- und Reformationsdiſtorie, 228. Königs Hi he Schilderung Berlins J. 78.