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kleidet und feſtlich geſchmuͤckt, die vornehmſten von Edelleuten geführt; nach ihnen gingen die Magiſtratsperſonen und der Adel des Landes, dann die ſaͤmmtlichen Prediger der innerhalb vier Meilen um Berlin gelegenen Ortſchaften, jeder einen Kelch und Hoſtienteller tragend, zuletzt der Domprobſt; daran ſchloſſen ſich die Trompeter und Pauker, nach dieſen zu Pferde der Hofmarſchall Sparr, der königlich polniſche Geſandte, Heinrich von Staupitz, den ſchwarzen preußiſchen Adler auf einer weißen Holz tafel gemalt tragend, der Erbmarſchall Georg Gans zu Putlitz mit dem goldenen Kurſchwerdt, der Oberſt Joachim von Roͤbel mit der preußiſchen Lehnfahne; den Zug beſchloß der Kurfuͤrſt in goldgewirktem, mit Zobel verbräͤmtem Kleide, auf einem pome ranzenfarbenen Pferde, das ihm der Herzog von Preußen als Geſchenk geſchickt; nach ihm ritt der Kurprinz Johann Georg, deſſen Sohn, der Markgraf Joachim Friedrich, und alle Großen des Hofes. Als Alle im Dom angekommen waren, ward feier licher Gottesdienſt gehalten. Darauf ſprach der Kanzler Lampert Diſtelmeier eine ſchoͤne, inhaltvolle Rede uͤber die zwiefache Ver anlaſſung des Feſtes, und der Kurfuͤrſt ſchlug den polniſchen Ge ſandten, Heinrich von Staupitz, Joachim von Röbel, den Kanz ler Diſtelmeier und viele andere Raͤthe zu Rittern. Abends gab der Kurfuͤrſt ein großes Gaſtmahl auf dem Schloſſe und theilte koſtbare Geſchenke an die vornehmſten Säfte aus.— In ſpaͤterer Zeit, ſeit dem Regierungsantritte Johann Georgs, wurde dies ſchoͤne Feſt überall auf das Kirchweihfeſt verlegt.
Nachdem wir den fuͤrſtlichen Reformator unſeres Vaterlan des erſt als Juͤngling betrachtet, wie er bedächtig, doch mit gan zem Herzen der neuerſchienenen Wahrheit ſich zuwendet, dann als Mann und Regenten, wie er als ſtarker Hort der Refor mation im deutſchen Reiche ſich bewaͤhrt und mit Weisheit und Energie ſein Volk der Segnungen des gelaͤuterten Chriſtenthums theilhaftig macht, wie er im vorgeruͤckten Alter ſein ſegensreiches Tagewerk mit Dank gegen Gott beſchließt, muß es, indem wir nun von ihm ſcheiden, von Intereſſe fein, noch einen Blick auf das Ende ſeines Lebens zu thun, da wir hoffen dürfen, fo der ſicherſten Aufſchluß über fein Innerſtes und zugleich die wahrſte Anſicht über die Reformation Brandenburgs, das vorzuͤglichſte