Werk dieſes edlen Fuͤrſten, zu erhalten. Wie fein ganzes Leben nur ein kraͤftiges Zeugniß des Glaubens an Chriſtum, ſo war ſein Sterben nur die Offenbarung der Frucht dieſes Glaubens, der bruͤnſtigen Liebe zum Heilande. Schon einige Wochen vor ſeinem Tode trat immer deutlicher ſeine innige Beziehung zum Herrn hervor und die Umgebung des Kurfuͤrſten nahm immer mehr wahr, wie er ſich in das Anſchauen der Herrlichkeit des Gottesſohnes ganz zu vertiefen ſuchte. So ſagte er dem Domprobſt Leuthold, welcher ihn fragte, ob er am Sonntage nach Neujahr uͤber den Mord der Kinder zu Bethlehem predigen ſollte,„nein, wir wollen bei dem rechten Kindlein, daran unſer Heil und Seligkeit gelegen, naͤmlich bei dem Kindlein Jeſu leben,“ und gab zum Text der Predigt die Worte Johannis: „Und das Wort ward Fleiſch, und wohnete unter uns, und wir ſahen ſeine Herrlichkeit, eine Herrlichkeit als des eingebornen Sohns vom Vater, voller Gnade und Wahrheit.“— Ueber— haupt ſprach er ſeit dem Weihnachtsfeſte 1570, da er das heilige Abendmahl genoſſen, faſt nur von kirchlichen und religioͤſen Ge: genſtaͤnden und hatte ſtets die bedeutendſten Theologen um ſich. Nach dem Feſte begab er ſich von Berlin nach Koͤpnick, theils um hier auf der Jagd ſich zu ergoͤtzen, theils um in dem ſtillen Waldſtaͤdtchen den frommen Bewegungen ſeines Herzens ungeſtoͤrter gewaͤhren zu koͤnnen. Am 2. Januar, als er um fuͤnf Uhr aus dem Walde nach dem Jagdſchloſſe zuruͤckgekehrt war, lud er den Kanzler Diſtelmeier, den Generalſuperintendenten Musculus und einige andere Raͤthe zum Abendeſſen zu ſich, und ließ ohne vorhergegangenes Geſpraͤch uͤber weltliche Dinge von einem Pagen während des Eſſens die Evangelien von der Weiſ— ſagung Simeons, von der Beſchneidung und von der Taufe Chriſti mit der Auslegung Luthers vorleſen. Er ſelbſt war ganz erfuͤllt und lebhaft bewegt von den Troͤſtungen dieſer Erzaͤhlungen, ſprach ſich in oͤftern Einreden uͤber die Fuͤlle der Gnade, die in Chriſto uns zu Theil geworden, mit Wärme aus, und gelobte, eine beſonders glaͤnzende Feier der Taufe des Heilandes, deren Bedeutſamkeit ihm jetzt vorzüglich klar wurde, in feiner Domkirche anzuordnen, ſobald er nach Berlin zuruͤckgekehrt ſein wuͤrde. Auch nach der Mahlzeit, an der er in ſeiner andaͤchti
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Geschichte der Reformation in der Mark Brandenburg / Adolph Müller
Seite
309
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