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gen Stimmung und bei ſeinen frommen Reden Antheil zu neh men vergaß, wurde das Leſen und das chriſtliche Geſpräch bis Mitternacht fortgeſetzt. Ehe er ſich zu Bette legte, ſang er noch mit ſeinen Theologen das Te deum laudamus und andere Kir chengeſaͤnge, die er durch langen Gebrauch auswendig wußte.
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Im Innerſten aufgeregt durch die achtung der Herrlichkeit
des Heilandes und feines Erloͤſungs s, konnte er kaum den
Schlaf finden; noch um 2 Uhr Nachts war er wach, und immer und immer wieder zeichnete er mit den Händen ein Cruciſix auf die Decke. Endlich ſchlief er ein, erwachte aber ſchon eine Stunde nachher von einem Huſten geweckt, fühlte ſich unwohl, ſchwach und ſeinem Ende nahe. Er antwortete den herbeigerufenen Geiſt lichen noch auf die Frage, ob er im Glauben an Chriſtum ſter ben wolle, zweimal ein feſtes Ja, und verſchied bald darauf l legen die innerſte
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ſanft und ergeben Seine letzten u Tage:„Das iſt je gewißlich wahr t
Triebfeder ſeines Lebens z und ein theuer werthes Wort, daß Chriſtus Jeſus kommen iſt in die Welt, die Suͤnder ſelig zu machen, unter welchen Ich der vornehmſte bin. Aber darum iſt mir Barmherzigkeit wider fahren, auf daß an mir vornehmlich Jeſus Chriſtus erzeigete alle Geduld, zum Exempel denen, die an ihn glauben ſollten zum ewigen Leben.“— Seine irdiſche Huͤlle wurde nach Berlin ge— bracht und in dem Dome, den er zum Ruheorte fuͤr ſeine Fa— milie beſtimmt hatte, feierlich beſtattet. Nur wenig Tage nach— her(13. Jan. 1571) folgte ihm ſein Bruder Johann nach, gleich ſam als hätten beide, die im vielbewegten Leben 10 lange in treuer Liebe vereint neben einander gewaltet, auch zuſammen eingehen
muͤſſen in die Wohnungen des ewigen Friedens
Es iſt die Weiſe alles organiſchen und beſonders des geiſti gen Lebens, wie es in der Geſchichte der Menſchheit erſcheint, daß es in feiner Entwicklung nicht gleichmäßig und ſtaͤtig fort ſchreitet, ſondern daß von Zeit zu Zeit die innre, Kraft, bendige, als ein neues, edleres Moment ploͤtzlich und mächtig
durch die beſtehenden Formen hervorbricht, dann aber in ruhi