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Geschichte der Reformation in der Mark Brandenburg / Adolph Müller
Entstehung
Seite
319
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Forderungen der Zeit genuͤgenden Schule zugeſtanden wurde. Die Einrichtung der uͤberwieſenen Räume zu Lehr- und Wohn zimmern, ſo wie die Berufung tuͤchtiger Lehrer wurde den kur­fuͤrſtlichen Rathen Simon Gottſteig und Joachim Steinbrecher und den Buͤrgermeiſtern M. Thomas Huͤbner und Hieronymus Tempelhof uͤbertragen. Zur Beſtreitung der Koſten ſchenkte der Magiſtrat, welcher Patron der neuen Schule wurde, 4000 has ler, der Geheimſecretair Joach. Steinbrecher 1000 Gulden, der Kanzler L. Dieſtelmeier 500 Speciesthaler; das Uebrige wurde durch Sammlungen unter den Buͤrgern zuſammengebracht. Es wurden fuͤnf Claſſen eingerichtet und anfaͤnglich neun, bald zwoͤlf Lehrer angeſtellt; der Rector, welcher jaͤhrlich 110 fl. und 1 Wſpl. Roggen, der Conrector, der 90 fl. und 1 Wſpl. Roggen bezog, der erſte Magiſter oder Profeſſor institutionum juris, der zweite Magiſter oder Profeſſor liberalium artium, der Obercantor oder erſte College, ein Gelehrter von Fach, der erſte Baccalaureus, der Untercantor, der zweite, dritte und vierte Baccalaureus, ein Schreibelehrer und Infimus. Die vom Kurfuͤrſten beſtaͤtigte Schulordnung wurde dem Lande als Muſter empfohlen. Schul ſtunden waren in der Woche zwei und dreißig, und zwar drei Vormittags von 6 9 Uhr, und drei Nachmittags von 123 Uhr, Sonnabends nur von 122 und der Nachmittag des Mittwochs war ganz frei. In den Statuten finden ſich folgende, jetzt vergeſſene Beſtimmungen: die Profeſſoren und Lehrer ſollen nicht uͤber zwei Tage bei ihren Verwandten zur Hochzeit gehen, die Schüler ſollen nicht Tanzboden beſuchen, nicht im Freien ba­den, nicht aufs Eis gehen, ſich des Fiſchens und Vogelfangens enthalten und keine Degen und Dolche tragen. Der erſte Gym naſialrector war von 1571- 75 Mag. Jacob Bergemann. Die folgenden Rectoren und Lehrer, welche nach damaliger Sitte ihre Aemter Häufig wechſelten, find in des Directors Bellermann Schulprogramm zum Jahre 1825 verzeichnet. Der vierte Rector Wilhelm Hilden aus Coͤln a. d. Sp.(1581 86 entwarf einen neuen Lehrplan und beſtimmte, hierin von der fruͤhern Vorſchrift nden für das Griechiſche. Am 22. Nybr.

abweichend, 13 S

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1574 wurde die Schule feſtlich eingeweiht. Der Domprobſt und

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Hofprediger Dr. Georg Coͤleſtinus hielt zuerſt eine Predigt, dann