Druckschrift 
Geschichte der Reformation in der Mark Brandenburg / Adolph Müller
Entstehung
Seite
331
Einzelbild herunterladen

331

aus Schwachheit in ſchwere Suͤnden fallen, aber den wahren Glauben doch nicht gaͤnzlich und ewig verlieren koͤnnen. Viele der Contra⸗Remonſtranten, auch der Vorſitzer jener Synode, Bogermann, pflichteten auch noch dem Satze bei:Gott habe von Ewigkeit her die Suͤnde Adams beſchloſſen, und alles ſo eingerichtet, daß derſelbe fie nicht Hätte vermeiden konnen. Indem aber Joh. Sigismund in ſeiner Confeſſion dieſe Lehren nicht anerkannte, gab er wie dem maͤrkiſchen Volke, ſo der gan­zen evangeliſchen Kirche die Möglichkeit einer allmaͤhligen Ver­einigung.

Die Aufregung, welche dieſer Confeſſions-Wechſel Johann Sigismunds bei einem großen Theile feiner maͤrkiſchen Untertha­nen erzeugte, war dennoch außerordentlich groß, und fuͤhrte nicht nur augenblicklich heftige Tumulte und einen bedrohlichen Zuſtand allgemeiner Gaͤhrung und Unzufriedenheit herbei, ſondern er wurde auch der Hauptgrund der ſchwankenden und unentſchiede­nen Politik, welche der Sohn Johann Sigismunds, der Kur fuͤrſt Georg Wilhelm während des dreißigjaͤhrigen Krieges und beſonders ſeit der Ankunft des ſtreng lutheriſchen Guſtav Adolph von Schweden verfolgte, er war der Hauptgrund des Zwieſpalts zwiſchen den religioſen Intereſſen des reformirten Fuͤrſten und ſeiner lutheriſchen Unterthanen, der jede energiſche Maaßregel von Seiten des Herrſchers laͤhmte, der jede freudige Aufwallung des Muthes und der Tapferkeit, jede Hingebung zum Wohle des Staates von Seiten des Volkes unterdruͤckte. Nichts deſto we­dieſem Uebertritte des Kurfüͤrſten Johann Sigismund

niger iſt in fl; wichtige Urſache zur erhebung des

zur reformirten Kirche eine brandenburgiſchen zum preußiſchen Staate zu ſuchen, einem Staate, der bereits ſeit einem Jahrhunderte durch hohe intel lectuelle Bildung ſich zu einer Macht des erſten Ranges empor gearbeitet hat, der jetzt die hoͤchſte geiſtige Cultur des geſammten Deutſchlands in ſich concentrirt, auf den jeder Deutſche mit der Ueberzeugung hinblicken muß, daß nur durch ihn die deutſche Eigenthuͤmlichkeit und Selbſtſtaͤndigkeit vor fremder Gewalt ge­ſchuͤtzt und in ihrer Fortentwicklung gefördert werden kann. Miſchung, Kampf, Reibung fördert Leben und Entwickelung, durch Abſonderung und ſtrenge Abſchließung tritt Bewegungslo­