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Annales Marchiae|| Brandenbvrgicæ,|| das ist|| Ordentliche|| Verzeichnuß vn|| beschreibung der fürnemsten vnd|| gedenckwirdigsten Märckischen Jahrgeschichten vnd Historien,|| so sich vom 416. Jahr vor Christi Geburt, bis auffs 1596. Jahr|| im Churfürstenthumb Brandenburg, vnd dazu gehörenden Landen vnd|| Herrschafften, von Jahr zu jahr begeben vnd|| zugetragen haben.|| Aus vielen glaubwirdigen Scribenten vnd Büchern, auch aus|| bewerten vrkunden vnd vielen alten monumentis, zusam-||men getragen vnd beschrieben.|| Auch mit vielen Bildnüssen vnd Figuren gezieret, vnd mit einem vollkom-||menen vnd richtigem Register verfasset,|| Durch|| M. Andream Angelvm, Strvthiomon-||tanvm.||
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Chronica der Marck Brandenburg/

Im ſelben Jahr iſt auch zur Welt kommen/ Marggraff Friderich der elter/ Fride­rici V. Sohn. lIultus,(Reine ccius ſetzet das) 4 9 4. Jahr.)

Als auch in dem Jar Hertzog Heinrich von Braunſchweig mit der Stadt Braun­ſchiocig zu vnfrieden ward/ ward derſelbe vnfried auff deß Churfuͤrſten zu Brandenburg handlung/ wie auch def Ertzbiſchoffs zu Magdeburg geſtellet. Dieſe kamen zu Zerbſt zuſammen/ vnd hoͤreten beyde part. Doch ward diß mal weniger/ denn nichts/ in derſelbi­gen ſachen außgerichtet. Chytræus, Buntingius,&c.

Im tauſend vier hundert drey vnd neunzigſten Jahr nach Chriſti Geburt/ iſt ein vntreglicher heiſſer Sommer geweſen. Pomarius, Bunt ingius.

Hierauf ſchickte Gott eine newe vnd zunor vnerhoͤrte Kranckheit in dieſen Landen/ (ſo man die von Frankreich nennet) welche ſchnell vnd behende vberhand genommen/ vnd gantz Europam durch wandert hat. Achilles, Gaſsarus, Mechouius, lib. 4. cap. 77. Pomarius, Bunt ingius.

Zu mercken.

Viel Nationen haben dieſe Seuche die Frantzoſen genennet darumb/ daß fie am allererſten vnter dem Frantzoſiſchen Kriegßvolck im Neapolitaniſchen Kriege vermer­cket worden. Denn als die Frantzoſen im ſelben Kriege/ mit huͤlff der Deutſchen/ faſt gantz Italiam durchdrungen/ vnd endlich die Konige zu Arragonig/ die den Frantzoſen mit liſt vnd behendigkeit beykommen wollen. Haben derhalben erſtlich die Brunnen vnd das Brod vergifftet. Dar nach haben fie aus jhrem Lager den Frantz ſiſchen Kriegß­leuten/ die zur vnzucht geneigt/ Frantzoſiſche Hurenbaͤlge zugeſchickt/ dadurch viel Leute vergifftet ſind.

Sonſt nandte man fie Pudendagram, weil fie zu ſoͤrderſt die heimlichen Glied­maß anfiehl

Dic Gelehrteſten Ertzte/ ſonderlich in Franckreich/ nandten fie Luem Veneream, die vnzucht oder Venus ſeuche/ darumb daß fie durch Hurerey vnnd vnzuͤchtigem leben vnd weſen iſt propagiret oder fortgepflantzet worden.

Der hochgelahrte Mann Fracaſtorius von Verona nennet fie in feinem kunſt lichen vnd hoͤfflichen Poemate Syphillida, darumb daß fir durch Buͤberey von einem auff den andern koͤmpt.

Die Medici, Philoſophi vnd Aſtrologi haben von gelegenheit vnd vrſachen dieſer Kranckheit vnglelch diſpuriret vnd gehalten. Doch find fie in dem eins/ daß in dieſer Kranckheit die Leber/ durch eine vergiffte qualiter inffciret werde/ dieſelbe neme darnach die andere jnnerliche Glieder ein/ vnd werde dieſe Kranckheit allein durch das eyter vnd anruͤren fortgeſetzt.

So iſt auch diß war/ das dieſe Seuche zu jetzigen vnſern zeiten nimmer ſo ge­mein/ auch nicht fo geſchwinde vnnd hefftig noch ſchmertzlich fen/ als in vorzeiten: Entweder darumb/ daß fe dieſer vnſer lufft geheim worden. Oder das die Himliſche Influentzen/ dauon fie geurſacht/ ſich mittlerweil verendert haben.

Anfaͤnglich aber iſt dieſe abſchewliche Seuche ſo ſchmertzlich geweſen/ daß jhrer viel/ wegen deß groſſen vnleidlichen ſchmertzens/ ſich ſelbſt entleibet haben. Vnd ob wol die Ertzte anfaͤnglich mancherley aͤrtzneyen erdacht/ fo hat doch alles nichts geholffen/ biß man endlich(nach dem gebrauch der Arabiſchen Ertzte) die Krancken mit dem queck­ſilber(das die Alten für gifft gehalten) geraͤuchert/ vnd mit einer dauon bereiteten ſal­ben geſchmieret. Durch dieſe Artzney haben viel Ertzte gros gut verdienet vnnd er­worben.

letzlich hat ein Spanier/ Con ſaluus genandt/ eine Artzney aus Indien erfunden/ in dem er lignum ſanctum oder Guaiacum, Welches allein in Indien fol gefunden wer­den/ geſotten/ vnd damit fo viel Menſchen geheilet vnd geſund gemacht/ daß er auch ſei­nen Kindern(wie man ſchreibet) vber drey hundert tauſend guͤlden verlaſſen Vnd zwar

beſindet