300 Chronica der Marck Brandenburg/ jederzeit vermahnet haben/ daß je einer dem andern ſchuͤldige reuerentz vnd ehr beweiſen ſolte/ ſintemal aus ſolchem hauffen feiner Schuler einer auffftehen wurde/ der di Bapſthumb ſturtzen würde: Wie denn hernach durch den Herrn D. Lutherum geſchehen iſt. Da auch gedachter Hilden /darumb daß er etliche Papiſtiſche mißbraͤuche geſtrafft/ hat muͤſſen zu Loche kriechen/ vnd den Guuardian zu ſich fordern laſſen/ hat er tieff erſeufftzet/ vñ mit ernſten geberden geſagt: Ich wil ſolch vnrecht vm b hriſti willen gerne tragen vñ leiden: Es wird aber ein ander Man komen/ der wird euch Moͤnche wol tilgen/ dem werdet jr nit widerſtreben können. D. Johannes Geyler/ Kaͤyſerberger genand/ Prediger zu Straßburg/ der im j5jo. jar/ am o. tage deß Mertzmonats/ geſtorben/ hat nit alleine viel mißbraucht im Bapſthumb geſtraffet/ ſondern auch offtmals von der folgenden re formation meldung ges than. Inſonderheit hat er pflegen zu ſagen/ es wuͤrde einer kommen/ den vnſer Herr Gott ſonder lich dazu wurde erwecken/ dz er die rechte ware Religion wider an den tag brechte. Hat auch von Hertzen gewuͤnſchet/ das er nur den tag mochte ſehen/ daran ſolche refor= mation wuͤrde angehen. D. Andreas Proles/ von Leipzig baͤrtig/ Auguſtinſanorum Prouincialis, welchen Lutherus in feiner jugend zu Magdeburg geſehen vnd gehoöͤret/ hat ſich oftmals dieſer wort verlauten laſſen: O lieben Bruͤder/ das Chriſtenthumb hat eine ſtarcke vnd groſſe reformation von noten/ welche mir dãncket das fie bald folgen werde. Hat auch geſagt: Das Bapſtiſche Reich ſchickt ſich jetzt zum groſſen fall/ den es iſt zu ſchnell vñ zu hoch geſtiegen. Vnd da er iſt vermahnet worden daß er ſelbſt wolte die refor mation der Kirchen vor die hand nemen/ ſol er drauff alſo geantwortet haben: Ich bin jetzt vom hohen Alter/ vñ bin numehr ſoſtarck nit/ dz ich ſolch hohes werck ſolte auff mich nemen vnd ausrichten. Es wird aber vnſer HEN Gott einen andern Held erwecken/ der eines ſolchen trefflichen verſtandes fein wird/ das er die reformation kan vor die Hand nemen. Derſelbe wird die Irrthůme außfegen/ wird alle gefahr/ ſo jm möchten zu handen komen/ behertzt vſ vnuerzagt verachten vñ hindurch dringẽ/ ond es zu dem ende/ dz alle frome vnd gottfurchtige Hertzen begeren/ glů cklichen bringen. Vmb dieſe zeit hat auch ein Doctor Theologin/ mit namen
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Sebaſtianus/ der ein Thumbherr vnd Prediger zu Erfurt im Thumb S. Maria ges weſen/ vnter andern diß geweiſſaget/ es wurde die zeit kommen/ dar inn man das Euangelium aus den Büchern leſen würde, Hat auch geſagt/ es werden etliche vnter euch nach meinem tode dieſelbe zeit erreichen. Als Lutherus zu Erfurt ſtudieret/ vnd nu Baccalaurius art ium geweſen/ da iſt er tödlich Franck worden/ alſo/ dz er ſchier an feiner hoffnung verzweiffelt hette/ wenn er nicht durch eines alten Kirchendieners wort vnd troſt erquicket/ vnd wider geſund worden were. Denn derſelbe hat zu Luthero weiſſagende geſprocht 3 Lieber Baccalaurie/ du wirft jetzt nit ligen bleibe/ ſondern wider ge ſund/ vnd wils Gott) zu einem groſſen Manne werden/ ond wirſt ſelber viel andere troͤſten/ vñ auff den rechten weg oñ zů leben bring. Da Lutherus im 1508, jahr/ nach Wittenberg vocirer, vnd zum Prote ſſore angenommen worden/ hat er angefangen die H. Schrifft oͤffentlich zu leſen/ vnd dieſelbe für das Haͤupt zu halten/ welchem alle Sophiſterei Ariſtote lis Thoma, Scoti, Alberti, vnd die gangePhilo(ophia ſolte vnd muſte vnterworffen ſeyn. Dieſe newe vnd damals vnerhoͤrte weiſe zu lehren/ hat D Mart ĩnum Polichium, Melle rſtadium, damals der Vniuer ſitet Wittemberg Rectorenubewogen daß er das ſtudieren in der) Schrift gerſhmnt/ vnd gleichſam die ſes geweiſſ get: Dieſer Moͤnchwird alle Dortores oher
winden/ vnd die gantz Roͤmiſ. Kirche relormiren. Im