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Die Anschauungen Friedrichs des Grossen vom Festungskriege vor Ausbruch des Siebenjährigen Krieges : Zum Friedrichstage ; nach Vorarbeiten der kriegsgeschichtlichen Abtheilung II und Akten des Kriegs-Archivs / bearb. von [Max] v. Duvernoy
Entstehung
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theidigung aber, neben"dem offenfiven Gedanken, auch die Möglichkeit, bei dem allmählich immer weiter foriſchreitenden Angriff bis zum letzten Augen­blick kampffähig zu bleiben. Außerdem bot dieſes Fort in einem Kaſematten­orps von 2 Stockwerken unter dem Hauptwall bombenſichere Unterkunft für 1000 Mann, neben zahlreichen Pulvermagazinen, Wacht⸗ und Arbeits­faſematten. Solche geſicherten Unterkunftsräume ſchuf der König bei allen ſpäter ausgeführten Befeſtigungen, und es iſt dies ebenfalls als einer der ihm zu verdankenden Foriſchritte gegenüber der Vaubanſchen Schule zu bezeichnen. Fort Preußen war 1744 bei Wiederausbruch des Krieges vollendet und alle anderen Verſtärkungen in vertheidigungsfähigen Zuſtand gebracht, dank dem fortgeſetzten energiſchen Antrieb des Königs. Nach dem zweiten Schleſiſchen Kriege wurde die Feſtung vollends ausg baut. Sie hat ſich im Sieben­jährigen Krieg vollkommen bewährt. Der förmlichen Belagerung durch die Oeſterreicher 1758 widerſtand ſie, bis Entſatz eintraf.

Der Ausbau von Glatz begann im Sommer 1743. Dieſe Feſtung beſtand, als ſie an Preußen fiel, lediglich aus einer alten Umfaſſungsmauer mit Thürmen und dem auf einer dicht an die Stadt herantretenden Felsnaſe erbauten Schloſſe, dem ein Kronwerk, aus zwei baſtionirten Fronten und einem Ravelin beſtehend, vorgelegt war. König Friedrich ordnete im Sommer 1743 ſofort die Verſtärkung an. Die Feſtung wurde gleichfalls mit einer Enveloppe, jedoch mit ſehr niedrigem Revetement umgeben, außerdem wurde ein vorgeſchobenes Erdwerk in Fleſchenform, der Kranich , gebaut und das Schloß zu einer ſtarken Citadelle umgeſchaffen. Zugleich ließ der König

auf dem anderen Neiße⸗Ufer den Schäferberg durch ein ſtarkes Fort befeſtigen. Es beſtand aus einem tengillirten Fünfeck mit niedriger Graben­beſtreichung aus Kaſematten, Koffern genannt. In die der Feſtung zu­gekehrte Kehle, die nur durch einen Graben abgeſchloſſen war, legte er ein großes kaſemattirtes Reduit, das nach vorn wieder durch ein beſonderes

Werk gedeckt wurde. Nach außen wurden zwei kleinere Werke vorgeſchoben, zu denen ſpäter noch ein drittes trat. Auch dieſe Neubauten ſind durchaus originell, insbeſondere die niedrige Grabenbeſtreichung iſt für die damalige Zeit völlig neu. Hier fand der König lebhafte und ſachgemäße Unterſtützung durch den langjährigen Kommandanten, den General Fouquéè.

Der zweite Schleſiſche Krieg unterbrach auch bei Glatz die Arbeiten, und die Feſtung hatte eine Einſchließung zu beſtehen. Nach dem Friedens­ſchluſſe wurde der Bau ſofort wieder aufgenommen, eine große Schleuſe, mehrere Kaſernen und Magazine ſowie drei Baſtione vor der Stadtbefeſtigung wurden erbaut und die alten Thürme beſeitigt. Nachdem die Feſtung 1757 abermals einer Einſchließung widerſtanden hatte, fiel ſie 1760 infolge einer förmlichen Belagerung in die Hände der Oeſterreicher , die ſich der Erdfleſche, des Kranichs, bemächtigten und von hier nach der nicht ſturmfreien Enveloppe

vor- und in die Stadt eindrangen. Nach dem Siebenjährigen Krieg wurde