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Die Anschauungen Friedrichs des Grossen vom Festungskriege vor Ausbruch des Siebenjährigen Krieges : Zum Friedrichstage ; nach Vorarbeiten der kriegsgeschichtlichen Abtheilung II und Akten des Kriegs-Archivs / bearb. von [Max] v. Duvernoy
Entstehung
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ſodann die Umfaſſung vollſtändig umgebaut, um die Sturmfreiheit zu erreichen, das Schloß in ein ſtarkes Reduit umgewandelt, der Schäferberg mit der Feſtung verbunden und ein ausgedehntes Minenſyſtem angelegt.

Brieg , auf dem linken Oder⸗-Ufer gelegen, und vermöge ſeiner meh zurückgezogenen Lage nördlich von Glatz und Neiße, weniger ausgeſetzt, ſollte mit geringen Mitteln ausgebaut werden. Man begnügte ſich damit, die vorhandenen breiten Waſſergräben zu vertiefen, die Stauvorrichtungen verbeſſern und die Oder-Anſchlußfronten mit Außenwerken und doppelte gedeckten Wege zu verſehen. Noch im Juli 1756 verfügte der König:. w Meine intention nicht iſt, bey gedachter Veſtung vor der Handt etwas mehreres zu verwenden, als nur ſoviel die palissadirung anlanget. Erſt im ſpäteren Verlauf des Siebenjährigen Krieges wurde, 400 Schritt vor dem ſchon vor handenen kleinen Brückenkopf, auf dem rechten Oder⸗Ufer, ein Deckwerk angelegt. Dieſe Vorkehrung genügte, um den Depot⸗ und Durchgangsplatz zu ſichern. Angegriffen wurde die Feſtung während des Siebenjähriger Krieges nicht.

Die Landeshauptſtadt Breslau wurde vor dem Siebenjährigen Krieg nur wenig verſtärkt, vermuthlich weil die für den Schutz Schleſiens und für die Operationen wichtigeren Feſtungen die vorhandenen Geldmittel verſchlangen und der König hoffte, ſie ſtets durch die Feldarmee ſchützen zu können. Die alte Stadtmauer war durch einen ba tionirten Erdwall umſchloſſen. Längs der Oder⸗Seite lagen drei Baſtione nach Italieniſcher Manier mit langen Kurtinen. Die ſchmalen Nord⸗ und Südfronten hatten je zwei, die Weſtfront fünf unregelmäßige Baſtione. Der naſſe Graben hatte zwei Raveline, an den Straßendurchzügen im Norden und Süden lagen beſondere Deckwerke. Die Vertheidigung der Oder und des rechten Oder-Ufers wurde durch einige befeſtigte Inſeln und insbeſondere durch die Dombefeſtigung erreicht. Man beſchränkte ſich auf die Vertiefung der Waſſergräben, den Weiterbau des gedeckten Weges und die nöthigen Kaſernenbauten ſowie die Wiederherſtellung eines 1749 durch Blitzſchlag zerſtörten Pulverthurmes.

Mit Glogau war ſchon während des erſten Krieges unter Wallraves Leitung begonnen worden, indem der Hauptwall die fehlende Bekleidung erhielt und am Fuße des Glacis vor den Spitzen der Baſtione Lünetten angelegt wurden. Doch blieb die Kontreeskarpe des Hauptgrabens von Erde und die Eskarpenmauer hatte zu geringe Höhe, ſo daß ein völlig ſturmfreier Abſchluß nicht vorhanden war. Von 1746 an ließ der König dieſen herſtellen, indem die Grabenränder mit Mauerwerk verkleidet wurden. Der vor der Weſtfront liegende Galgenberg wurde theilweiſe abgetragen und die Erde zur Erhöhung der Bruſtwehren verwendet. Durch eine vorliegende zuſammenhängende Enveloppe wurde eine neue Vertheidigungslinie geſchaffen, der gedeckte Weg mit ſeinen Waffenplätzen und Blockhäuſern ließ raſante Beſtreichung des Vorgeländes zu, und Kontreminen hielten den gewaltſamen Angriff fern. Die