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Die Anschauungen Friedrichs des Grossen vom Festungskriege vor Ausbruch des Siebenjährigen Krieges : Zum Friedrichstage ; nach Vorarbeiten der kriegsgeschichtlichen Abtheilung II und Akten des Kriegs-Archivs / bearb. von [Max] v. Duvernoy
Entstehung
Seite
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Brückenkopf- Befestigung der Dominsel wurde umgebaut, die Oder- Front durch Anlage eines neuen Kanals gesichert und vor dem Breslauer Thor ein starkes selbständiges Werk, der Stern, mit Hohlräumen für die Besatzung und ge­deckter Verbindung mit der Festung erbaut.

Der Bau von Kosel, dessen Umwandlung in eine Festung durch seine tiefe, sumpfige Lage sehr erleichtert wurde, begann nach Walrawes Entwurf ebenfalls sofort nach dem ersten Schlesischen Krieg. Die neuentstandene Festung bestand aus einem Hauptwall in Form eines großen Fünfecks mit flach eingezogenen Seiten, nassem Graben, vier Ravelinen und einem gedeckten Weg. Auf der auf dem rechten Oder- Ufer gelegenen Insel wurde ein Brücken­topf erbaut.

Als der zweite Schlesische Krieg ausbrach, war der Bau noch nicht vollendet, und der Graben hatte noch nicht die nöthige Tiefe. Die Festung fiel in der Nacht zum 27. Mai 1745 infolge des Verrathes eines fahnen­flüchtigen Preußischen Fähnrichs durch einen Ueberfall und wurde, wie schon erwähnt, im Herbst desselben Jahres durch die Preußen zurückerobert, wobei der größte Theil der Stadt niederbrannte. Sofort nach dem Friedensschlusse ließ der König die Stadt wieder aufbauen und die Festung vollenden. Die Sturmfreiheit der Umfassung wurde durch eine Wassertiefe von 2 m in den Gräben erreicht, man verbesserte die Stauvorrichtungen und sicherte den gedeckten Weg durch einen nassen Vorgraben. Die eingehenden Waffenplätze erhielten Blockhäuser. Es wurden neue Kasernen erbaut, der Brückenkopf verstärkt und die Wegschützer Redoute neuangelegt. Auch diese Bauten wurden nach den unmittelbaren Angaben des Königs ausgeführt. Während des Sieben­jährigen Krieges hat Kosel allen feindlichen Angriffen erfolgreich widerstanden und keinen Feind in seinen Mauern gesehen.

In Schweidnitz, dessen Bau 1747 unter Leitung des Ingenieur- Obersten Sers begann, erblicken wir eine vollständige Neuschöpfung des Königs, die erste Fortfestung, ganz nach seinen eigenen Ideen erbaut. Er behielt die vorhandene Stadtmauer als Kern des Ganzen bei, ließ sie durch einen unregelmäßigen Erdwall mit revetirten Gräben verstärken und sorgte für Flantirung der Gräben durch Kaponieren. Nur die schmale, nach der Weistritz gelegene Ostfront erhielt eine neue Umfassung mit drei Bastionen.

Da vor dieser Stadtbefestigung ringsum Vorstädte lagen, die der Ver­theidigung hinderlich waren, aber aus Ersparnißrücksichten nicht abgebrochen werden konnten, so vermied Friedrich eine zweite Umwallung, die sehr theuer geworden wäre und doch nur einen schwachen Schug ergeben hätte. Dagegen legte er auf die zur Beherrschung des Vorgeländes geeignetsten Bunkte fünf selbständige Forts. Er löste so, seiner Zeit auch hier weit voraus­eilend, auf einfache Art und mit verhältnißmäßig geringen Mitteln die Auf­gabe, einen großen Waffenplaz zu schaffen, dessen einzelne Theile sich gegenseitig in hartnäckiger Vertheidigung wie in vorbereiteter Offensive unter­