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stützen und dennoch selbständig bleiben sollten. Wir sehen also hier schon den Gedanken vertreten, den Montalembert später wissenschaftlich weiter entwickelt hat, eine möglichst einfache Umwallung mit einer Rette detachirter Forts zu umgeben.
Auf die die Stadt im Norden, Westen und Süden umgebende Hochfläche legte der König das Galgen-, Jauernicer, Garten- und Bögen- Fort und drei Zwischenwerke, die Kirchen-, Jauernicker und Garten- Redoute. An zwei Stellen, wo das Vorgelände von diesen Werken aus nicht vollständig einzusehen war, wurden die Galgen- und die Jauernicker Flesche vorgeschoben. Diese sämmtlichen Werke unterstützten sich gegenseitig sehr gut und lagen, auf 300 bis 500 m vor die Stadtbefestigung vorgeschoben, unter deren vollem Feuer. Auf der Ostfront, im Weistritz- Thale, wurde das Wasser Fort und südlich davon die Wasser- Redoute erbaut. Die Forts hatten fünfeckige Sternform, mit Enveloppen, trockenem mit Mauerwerf befleidetem Graben und gedeckten Weg. Dieser war in den eingehenden Waffenplätzen durch Raponieren oder Blockhäuser, in den ausspringenden Winkeln durch Kontreminen verstärkt Die Zwischenwerke hatten Lünettenform, trockenen Graben, gedeckten Weg mit Kaponieren und Glacis; in ihren Kapitalen lagen ebenfalls Kontreminen.
Die Kehlen der Forts waren offen und nur durch einen Graben mit Zugbrücke geschützt. Dies war unstreitig eine Schwäche der Werke. Jm Rehlgraben lagen große Wohnkasematten für die Besatzung. Der zweite, noch größere Fehler der Forts aber war der, daß sie nicht sturmfrei gebaut wurden. Die Eskarpe und das Revetement der Enve loppe sollen nur 10 Fuß Höhe gehabt haben, die Kontreeskarpe soll zwar 18 Fuß hoch, aber mit vielen nicht gehörig verwahrten Treppenaufgängen versehen gewesen sein. Diese Fehler entsprangen einer übel angebrachten Sparsamkeitsbestrebung der Bauleitung, auf die noch zurückzukommen sein wird.
Die Niederung auf der Ostseite konnte durch Anstauung der Weistritz und des Bögenwassers überschwemmt werden.
Diese Uebersicht über die Festungsbauten des Großen Königs vor dem Siebenjährigen Kriege zeigt, wie er sich von dem herrschenden Schema der Vaubanschen Schule frei zu machen wußte. Während bei ihr lediglich die artilleristischen und technischen Grundsätze die Formen bestimmen, läßt sich Friedrich bei seinen Neubauten in erster Linie durch die Rücksichten auf das Gelände leiten. Er baute nach taftischen Prinzipien, das zeigt u. A. auch die den herrschenden Formen der Lineartaktik entsprechende zusammenhängende Enveloppe bei Rosel, Brieg und Neiße. Wo es ihm geeignet schien, verstand er es vortrefflich, auch andere Systeme als das Vaubansche anzuwenden, so namentlich das Niederländische. Wo aber keine der bekannten Manierent passen wollte, da brach er mit allen hergebrachten Formen und ging seine eigenen Wege.