Als Verſtärkungsmittel bevorzugte er ins beſondere die Minen, die er auch in die Kapitalen ſeiner detachirten Forts legte, und, wo ſie irgendwie anwendbar war, die Inundation. Die damals herrſchende Kriegs praxis ſtellte bekanntlich während des Winters di größeren Operationen grundſätzlich ein. Friedrich wußte aus Erfahrung, daß z ſeine Gegner im Allgemeinen noch mehr als er ſelbſt den Winterfeldzügen n waren 2 beim Eintritt der rauhen Jahreszeit meiſt ſehr eniſchieden das Beziehen der Winterquartiere anſtrebten. Daher konnte er mit Recht auf die Wirkſamkeit des Inundations hinderniſſes vertrauen, denn gegen einen Handſtreich mußte zur Hinter zelt die Wachſamkeit der Beſatzung unter einem tüchtigen Kommandanten genügenden Schutz gewähren.
Wir finden in den Einzelheiten ſeiner Bauten überall zweckmäßige, theils neue, theils in ihrer Verbindung untereinander eigenartige Anordnungen. Mit dieſen erreicht er, um dies hier zuſammenzufaſſen, die Behauptung des beherrſchenden Geländes in der Umgebung durch die Anlage ſelbſtändiger Werke, wie bei Neiße und Glatz, ebenſo die Behauptung des Vorgeländes durch Anlage einer Kette von
detachirten a wie bei Schweidnitz, die geſicherte Vorbereitung größerer Aus
fälle durch die Verbindung ſelbſtändiger Werke mit der Feſtung und durch die u,, im gedeckten Wege, wirkſame Grabenbeſtreichung durch Geſchützund Gewehrfeuer, zum Theil aus Kaſematten und Kaponieren, die Möglichkeit hartnäckiger Vertheidigung des gedeckten Weges durch Blockhäuſer, die Anlage von Abſchnitten mit Reduits und ſelbſtändigen Kernwerken, und endlich die geſicherte Unterbringung von Truppen und Material. Dagegen wird die völlige Sturmfreiheit bei den Bauten vor dem Siebenjährigen Kriege nicht überall erreicht.
Vor Allem muß aber nochmals betont werden, wie die durchaus moderne Auffaſſung, die Feſtungsanlagen nach den Rückſichten auf das Gelände und die herrſchende Taktik zu beſtimmen, den genialen Ingenieur bekunden. Daß dieſe Neuerungen lediglich feinem Geiſte entſprangen, iſt zweifellos, denn feine zum Theil ſehr fähigen Ingenieur- Offiziere, wie Walrave, Balby, Humbert, Lefésbvre u. A., waren ſämmtlich Männer der Vaubanſchen Schule.
Ferner iſt hervorzuheben, wie haushälteriſch der König bei der Beſchaffung der Mittel für ſeine Feſtungsbauten verfuhr, da ihm die für die beiden eben beendigten Kriege von ſeinem Staate gebrachten Opfer die äußerſte Sparſamkeit auferlegten. Zunächſt griff er zu dem Hülfsmittel einer Anleihe von 100 000 Thalern bei den Kurmärkiſchen Ständen, gegen . verſchiedener Abgaben und Verzinſung zu 5 v. H.*) Sodann aber bot er Alles auf, um Handel, Gewerbe und Landwirthſchaft und damit
* Geh. St. Arch.