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Die Anschauungen Friedrichs des Grossen vom Festungskriege vor Ausbruch des Siebenjährigen Krieges : Zum Friedrichstage ; nach Vorarbeiten der kriegsgeschichtlichen Abtheilung II und Akten des Kriegs-Archivs / bearb. von [Max] v. Duvernoy
Entstehung
Seite
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Die Verbindung von der erſten zur zweiten Parallele ſoll, wenn das feindliche Artilleriefeuer dies zuläßt, durch gewöhnliche Kom­munikationen, anderenfalls, wenn das Feuer der Feſtung ſehr heftig iſt, durch Sappen hergeſtellt werden. Balby erwähnt ausdrücklich, daß die Sappen arbeit beſonders bezahlt wird, und zwarnach proportion die Sappe nahe an den bedeckten Weg fortgehet, diejenigen, welche an der dritten Parallele debouchiren, und ſich den bedeckten Weg nähern, fo auch die, welche das couronnement des bedeckten Weges formiren, werden weit beſſer als die von der erſten parallele bezahlet.

Der Bau der zweiten Parallele vollzog ſich ähnlich dem der erſten in einer Nacht unter dem Schutze vorgeſchobener Infanteriebedeckung, ebenſo ihr allmählicher Ausbau in den folgenden Nächten und ihre Beſetzung durch die Trancheewache nach der Fertigſtellung. Die Enden der vorgetriebenen drei Sappen gaben im Allgemeinen ihre Richtung an, durch deren Verlängerung nach rechts und links entſtand die Parallele. Hinter jeder Parallele waren Latrinen und Brunnen für die Trancheewache herzuſtellen und durch gegen Feuer deckende Kommunikatienen zu verbinden. Ließ der Boden die Anlage von Brunnen nicht zu, ſo mußten Waſſertonnen in der Parallele aufgeſtellt und das Waſſer mußte täglich durch Artilleriepferde angefahren werden.

Unmittelbar hinter der zweiten Parallele find ſodann ſofort mehrere Kanonen und Mörſer⸗Batterien, und vor der Parallele die Batterienzur Demolirung der Defenslinie**) und die Ricochet-Batterien zu bauen. Von den letztgenannien muß in die Verlängerung jeder Lmie der angegriffenen Werke eine gelegt werden, um fie außer Vertheidigung zu ſetzen, ihre Geſchütze zu zerſtören und die Beſatzung von den Wällen zu vertreiben. Balby weiſt hierbei auf den großen Vortheil der Haubitzen hin, deren Bomben bey der letzten Belagerung von Bergen op Zoom mit ohnvergleichlichem Nutzen verwendet worden ſeien.Der Chef von die Ingenieurs beobachtet, daß auf der prolongation jeder Linie, welche ihm ſchädlich, eine gegenſeitige Batterie, ſowohl das Parapet und feine Deſension zu beſtreichen und zu ruiniren, als auch ihre Batterien zu demoliren, und damit ſie außer

) Die Bezahlung der Mannſchaften für Schanzarbeit war damals in Kriegs⸗ wie in Friedenszeit allgemeine Regel. Vergl. Kriegsgeſchichtl. Einzelſchr, Heft 28 bis 30, S. 617 u. 622 ſowie die nachfolgende Angriffsubung bei Potsdam im Juli 1752. Die Höhe der bezahlten Vergütung bewegte ſich, nach den vorhandenen Notizen, zwiſchen 3 und 6 Groſchen für den Mann und Tag. Im Felde wurde nach Balby das Setzen eines jeden Schanzkorbes zur Sappe berechnet, und die die Sappe führenden Ingenieur Offiziere mußten hierüber an Ort und Stelle Buch führen und, ehe ſie die Tranchee ver­ließen, jedem Sappeur einen unterſchriebenen Zettel aushändigen, auf Grund deſſen der Mann feine Bezahlung beimTranchée-Major ſofort nach der Arbeit in Empfang nahm. Das den Gefallenen zuſtehende Geld wurde unter deren Kameraden von dem­ſelben Trupp vertheilt.

**) Die Geſchütz⸗Bruſtwehren find hier gemeint.