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Die Anschauungen Friedrichs des Grossen vom Festungskriege vor Ausbruch des Siebenjährigen Krieges : Zum Friedrichstage ; nach Vorarbeiten der kriegsgeschichtlichen Abtheilung II und Akten des Kriegs-Archivs / bearb. von [Max] v. Duvernoy
Entstehung
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hätten, und man nun den Vertheidiger durch Bombenfeuer in das Inner der Werke verhindern wollte, die verurſachten Schäden aus zubeſſern. Di Grenadier⸗Kompagnien und die Wachtparade des Grenadier Garde⸗Bataillo Retzow ſowie des Regiments Prinz Heinrich , in ſieben Bataillone formi ferner eine Abtheilung Gardes du Corps wurden für dieſen Tag unter Ob

v. Retzow als Feſtungsbeſatzung beſtimmt und rückten nach Einſtell

des Artilleriefeuers in das Polygon. Der Reſt der Potsdamer Garniſon bild wiederum die Trancheewache.

Der König befahl, daß mit fünf Bataillonen und der Kavallerie he ein Ausfall aus der Feſtung gemacht werden ſolle, und führte die perſönlich an. Er theilte das Korps in zwei Kolonnen, jede wurde begleitet von 30 Arbeitern mit Schanzzeug. Die Kolonnen wurden im gedeckten W in Linie formirt, von wo ſieauf ein gegebenes Signal auf die Bruſtw des Glacie ſprangen, ſich ſchnell wieder formirten und ſodann auf die zweite Parallele losgingen, deren Bruſtwehr überſtiegen, in die Tranche hine ſchoſſen und ſo die Belagerer daraus verjagten. Während dieſem fiel Cavallerie dem ſich aus der Tranche retirirenden in die Flanqu und zog ſich nachher geſchwind wieder zurück. Die Infanterie verfolgte nd zurückgehenden Angreifer bis zur erſten Parallele, wobei ſie mit halben Ba taillonen feuerte. Als der Gegner in der erſten Parallele verſchwunden war, machte ſie Kehrt und ging unter beſtändigem Feuer mit halben Bataillonen en 6chiquier zurück, wobei jedes Halbbataillon nach 100 Schritten wieder zum Feuern Front machte. Inzwiſchen hatten die Arbeiter die verlaſſe zweite Parallele zerſtört, die Geſchütze der Batterien J und K vernagelt, was Beides nur angedeutet wurde, und ſich ſodann wieder in die Feſtung zurück gezogen, worauf die ausgefallenen Truppen dorthin nachfolgten. Sobald den gedeckten Weg erreicht hatten,fing die im Angle Saillante postirt zurückgebliebene Mannſchaft(2 Bataillone) mit einem praeparirten Feuer an, dem verfolgenden Feind entgegenzuſchießen, welcher ſich durch ein zu hitziges Verfolgen zu weit herangemachet hatte.

Am Nachmittag gingen 170 Arbeiter mit drei Sappen im Zickzack aus der zweiten Parallele auf den Kapitalen der drei Werke vor, ſodam wurde die dritte Parallele eröffnet durch Verbindung der vorderſten Sappenſchläge. Die Artillerie baute gleichzeitig zwei mas kirte Demontir­Batterien, L und M, dicht vor der zweiten Parallele, zur Beſchießung der beiden inneren Baſtionsfacen. Die Scharten wurden mit loſer Erde geblendet, ſo daß die Batterien von der Feſtung aus nicht zu erkennen waren, ſondern mit der Bruſtwehr der Parallele gleiches Ausſehen hatten.

Am 28. früh eröffneten dieſe beiden Batterien das Feuer, gleich zeitig mußte die Ricochett⸗Batierie 6 5 Schuß nach dem Wallgang des Baſtions Il,

Vergl. Kriegsgeſch. Einzelſchriften Heft 28 bis 30, S. 558

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