Heft 
(1920) 2
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und das Stift nur fürchten. Erlauben Sie mir bey einem jeden dieser Punkte einen Moment zu verweilen. .

1) Ihre Beweg-Gründe können, logisch verfolgt nur: auf dem Glauben an eine alleinseelig machen de Lutherische Kirche beruhen. Hier frag' ich Sie, verehrte Frau, die Hand aufs Herz! Was würde Luther dazu sagen? Er der dem Berliner Dorn Propst rietst statt einer Casel, sieben nmznhüngen, statt einer Prozession sieben zu machen, wenn er nur das reine Wort Gottes predigen könne. Ich frage Sie, wer verhindert diese Predigt im Heiligen Gräber Stift? wer tastet Ihr luthrisches Bekenntniß, wer das Luther- thnm des Conventes und des Stifts Gebiethes an? Gnädige Frau sollte zum Heiligen Grabe irgend etwas vorgefallen seyn was so zu deuten wäre, so wäre das gegen die Landes- und Kirchen Gesetze und ein Wort an mich und von mir würde die gefährdete Gültigkeit beyder augenblicklich hergestellt haben oder noch jetzt wiederherstellen. Doch dies könnte leicht zu weit führen. Ich will in voller Offenheit den Beweg-Gründen Ihres Handelns, diejenigen meines Handelns ent­gegenstellen. Ich beke nne weder eine luthrische Kirche, noch eine Reformirte, noch eine nnirte, noch eine römische, noch irgend eine die sich gebildet. Ich be­kenne aber dennoch und zwar im innigsten Einklang mit dem apostolischen- und dem Nizenischen Symbol eine heilige allgemeine (oder gewisse) Kirche. Das ist die, am Pfingstfeste, 0 Tage nach des HErrn Himmelfahrt durch Ausgießung des Heiligen Geistes gestiftete. Sie erkenne ich als die Seeligmachende weil ihr weder ein Papst, noch Consistorium, sondern allein Christus der HErr vorsteht und Er ihr wesentliches Haupt ist. Ferner bekenn' ich mit Heiliger Schrift, daß innerhalb der sichtbaren Kirche, da wo Christus der HErr bekannt und lauter gepredigt wird, der Heilige Geist waltet und daß da, wo diesem Bekenntniß und Predigt gewehrt und widerstanden wird, der Geist des Abfalles waltet. Wer mm eine Gemeinschaft der Letztern Art verläßt, der thut es nicht um Skrupel sondern um das, am göttlichen Wort geläuterten Gewissens Willen; der thut Gottes Wille. Das ist die Glorie der Reformazion. Dies führt mich ans den anderen Punkt

2) ans mein Nicht Billigen Ihrer Forderungen, Gnädige Frau. Indem Sieeine rein Lutherische Kirchen Behörde für Heiligen Grabe als Bedingung Ihres Verbleibens im Amte verlangen, sprechen Sie sogleich unumwunden Ihr Verlangen ans mit Stift und Stifts Gebietst aus der Landes Kirche auszntreten. Meine liebe Frau Aebtissinn; was sagt das Neue Testament vom Einigen und vom Trennen der Kirche Christi, seines Leibes? Hab' ich recht ge­lesen? Ist es nicht Seegen für Jenes? Fluch für Dieses? Es giebt eine Ausnahme (wenn das Ausnahme ist) und ich habe sie soeben angeführt: Wenn eine Kirchen Gemeinschaft den: Worte des Lebens wehrt, folglich aufhört Teil der Kirche des Lebens zu seyn, so wird der Austritt ans derselben sogar zur Lebens Pflicht nm des Gewissens Willen. Da nun das Buhlen mit dem Tode Wider das Leben nicht der Caracter unsrer Landes Kirche ist, so läugne ich festiglich, daß die Bedingung, daß die Göttliche Erlaubnis; zum Austritt aus derselben vorhanden ist. Wir leben in einer Zell der Kirche, in welcher der HErr gewaltige Trennungen -in derselben zugelassen hat und wie Alle Theile der sichtbaren Kirche jetzt in Trennung seufzen, so auch wir in unserm Lande. Wir haben die Trennung nicht gemacht zu dieser Zeit. Aber wir sind in diesem Lande und zu unsrer Zeit gewürdigt worden eine Erscheinung zu erleben, die in der Kirchengeschichte nur zu selten ist: die Einigung 2er getrennten Teile des selben Evangelischen Bekenntnisses, die um 2 oder 3 Punkte theologischer Controverse so weit gegangen waren sich gegenseitig vom Tisch des HErrn auszuschließen!!! Mein hochseeliger Vater forderte, als sich das 300 jährl. Jubiläum der Refor­mazion im I. 1817 nahte, dringend zur Abstellung dieses wahren und schweren Nergernisses in der Kirche Christi auf und das ganze Land folgte, mit weniger Ausnahme seinem Versöhnnngs Rufe. Die Union beider Confessionen kam zu Stande. Aber wie? das ist die entscheidende Frage. Darüber aber lassen die Auffordrung des Hochseel. Königs sowohl, als seine Edikte keinen Zweifel.

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