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sich an äußern, vorübergehenden Erscheinungen zu stoßen und darüber zu fallen. Ich sage mit gutem Vorbedacht „der Schwachen". — Das ist vielfach unter der wahnsinnigen Herrschaft des Hegelianismus geschehen und war eben für die Schwachen entschuldbar. Diese Herrschaft aber hat schon feit lange ihr Ende erreicht und es war und es ist fortwährend mein ernstestes Bestreben, die Wiederkehr solcher Ereignisse unmöglich zu machen. Die entschuldigenden Veranlassungen sind entweder todt oder sterbend. Und Sie, verehrte Frau Aebtissin, sind keine Schwache. Ich beschwöre Sie um der Kirche und der Gläubigen Willen betreten Sie nicht einen Weg, den die reinste Liebe und Verehrung, das treuste Mitgefühl nicht mehr den der Schwachen, sondern den der Bethörten nennen müßte! — Was Sie nemlich als Bedingung ihres Bleibens fordern ist unerfüllbar. Und ich glaube Sie fühlen das selbst. Ich habe weder die Macht noch den Willen für Sie eine lutherische Behörde zu creiren und das Ausscheiden des Stiftes aus der Landeskirche zu gestatten. Meine Christen- und Regenten Pflicht fiir die Einigung und Wider die Trennung in der Kirche verbiethen mir das in demselben Grade als die Verfassungsurkunde, welche der evangelischen wie der röm. Kirche den innehabenden Besitz gewährleistet. Ich will noch weiter gehen Gnädige Frau und einmal annehmen ich könnte genehmigen, daß Sie sich eine luthrische Kirchen Behörde suchten. Wo würden Sie dieselbe finden? Eine eigene Creazion widerspricht dem gesunden Menschen Verstände. Da biethet sich nun allein die Wahl zwischen den Königl. Großherzl. u. Herzogl. Consistorien von Sachsen und Mecklenburg einerseits u. andrerseits des separatistischen Consistorinms der sogen. Lutherkirche zu Breslau. Die Iten aber siud mehr oder weniger unter tyrannischter Herrschaft des Razionalismns, der oft bis zur offenen Verfolgung der luthrischen Lehre geht. Die Bresl. Lutheraner sind aber gerade jetzt in 2 Partheyen zerfallen, die mit Leidenschaftlichkeit die einen, das Episcopat, die anderen die presbyterial Verfassung ihrer Kirchen Gesellschaft aufdringen will. Bei ihnen also fragt sich, ob romanisirt oder calvinisirt werden soll. — Ich habe mich genug und vielleicht zu lange beym 2ten Punkt ausgehalten u. eile zum 3ten.
3) Die Niederlegung Ihres Amtes, Gnädige Frau, ist unter den gegeb. Umständen eine Calamität für die Kirche und das Stift. Ihr klarer Verstand wird die Folgen ihrer Handlungsweise erkennen, wenn es zu späth i st. Das Stift würde Ihrem Antrag zu folge nicht allein der gestifteten Zufluchtsstetten beraubt u. in seinen vorigen mißbräuchliche n Zustand zurückgeschleudert werden — das, möcht' ich sagen, ist das Geringere, denn eine begabte, pflegende Mutterhaud könnte das „langsam Aufgelöste (!)" wieder schaffen — aber was nichtwieder gntgemacht werden kann, wird die Lästerung seyn, welche die Welt Wider „den Zank der Betschwestern" der „Pietisten" der „Mucker" von Heiligengrabe ausströmen werden. Die Kraft der Lästerung und deren verderbliche Folgen für die Kirche kennen Sie, gnädige Frau. Der thatkräftige Heils Weg den Sie lange gehen in u ß Ihnen den Blick über den Unterschied geöffnet haben den „die Lästerung" in ihren Erfolgen hat, wenn sie ans reiner Lüge beruht, oder wenn — ich möchte sagen: eine gewisse Manier, wenn Eigensinn, Leidenschaft, Verkehrtheit, falsche Maßregeln sie veranlassen, vor Allem aber, wenn sie über das herfalleu kann, was nach Lieblosigkeit, nach Spaltnngssucht aussieht. Daun ist ihre Macht eine furchtbare, denn sie verführt die Schwache', die unentschlossenen, die Neulinge im Christentum vorn rechten Wege ab, auf die der Welt zurück. Sie mordet Seelen. Verehrte Frau Aebtissin, Sie haben ein A in t, das man berechtigt ist, ein weibliches Bischofs-Amt ini urkirchlichen Sinn zu nennen. Sie sind Ihren: Stift „angetraut" und es handelt sich nicht mehr um die Selbst-Benrtheilung Ihrer Befähigung, um Ihre Bescheidenheit, Lust oder Unlust dazu, sondern um seine Führung u. Durchführung u. um die Rechenschaft, die Sie davon ablegen müssen — vor keinen: menschl. Tage ablegen werden. Bewegen Sie das in Ihren: Herzen vor dem HErrn. —
Gnädige Frau, ich habe Ihnen mein Herz ausgeschüttet. Ich glaube ehrlich kein Wort geschrieb. zu haben das ich nicht vor Gott vertreten könnte. Ich