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Deutsche Rundschau.
er ist nicht eigentlich der Mann der Leidenschaften — desto gewisser, sag' ich, würd' er sich auf Ihre Seite stellen und sich zu Ihnen bekennen."
„Ja, gnädigste Frau, das wußt' ich oder wußt' es doch beinah. Es War noch kein Wort in diesem Sinne zwischen uns gesprochen worden, aber ich glaubte trotzdem, und seit längerer Zeit schon, daß er glücklich sein würde, mich seine Braut zu nennen."
„Und durch die klug und berechnend ausgesuchte Geschichte mit dem Hamburger Hochzeitszuge haben Sie eine Erklärung herbeizuführen gewußt . . ."
„Ja, meine gnädigste Frau, das Hab' ich, und ich meine, das Alles war mein gutes Recht. Und wenn Sie nun dagegen, und wie mir's scheint ganz ernsthaft, Ihren Protest erheben wollen, erschrecken Sie da nicht vor Ihrer eignen Forderung, vor der Zumuthung, ich hätte mich jedes Einflusses aus Ihren Sohn enthalten sollen. Ich bin keine Schönheit, habe nur eben das Durchschnittsmaß. Aber nehmen Sie, so schwer es Ihnen werden mag, für einen Augenblick einmal an, ich wäre wirklich so was wie eine Schönheit, eine Beautö, der Ihr Herr Sohn nicht hätte widerstehen können, würden Sie von mir verlangt haben, mir das Gesicht mit Aetzlauge zu zerstören, bloß damit Ihr Sohn, mein Verlobter, nicht in eine durch mich gestellte Schönheitsfalle siele?"
„Corinna," lächelte der Alte, „nicht zu scharf. Die Räthin ist unter unserm Dache."
„Sie würden das nicht von mir verlangt haben, so wenigstens nehme ich vorläufig an, vielleicht in Ueberschätzung Ihrer freundlichen Gefühle für mich, und doch verlangen Sie von mir, daß ich mich dessen begebe, was die Natur mir gegeben hat. Ich habe meinen guten Verstand und bin offen und frei und übe damit eine gewisse Wirkung auf die Männer aus, mitunter auch gerade auf solche, denen das fehlt, was ich habe, — soll ich mich dessen entkleiden? soll ich mein Pfund vergraben? soll ich das bischen Licht, das mir geworden, unter den Scheffel stellen? Verlangen Sie, daß ich bei Begegnungen mit Ihrem Sohne wie eine Nonne dasitze, bloß damit das Haus Treibel vor einer Verlobung mit mir bewahrt bleibe? Erlauben Sie mir, gnädigste Frau, und Sie müssen meine Worte meinem erregten Gefühle, das Sie herausgefordert, zu gute halten, erlauben Sie mir, Ihnen zu sagen, daß ich das nicht bloß hochmüthig und höchst verwerflich, daß ich es vor Allem auch ridicül finde. Denn wer sind die Treibels? Berlinerblaufabrikanten mit einem Rathstitel, und ich, ich bin eine Schmidt."
„Eine Schmidt," wiederholte der alte Wilibald freudig, gleich danach hinzufügend: „Und nun sagen Sie, liebe Freundin, wollen wir nicht lieber abbrechen und Alles den Kindern und einer gewissen ruhigen historischen Entwicklung überlassen?"
„Nein, mein lieber Freund, das wollen wir nicht. Wir wollen nichts der historischen Entwicklung und noch weniger der Entscheidung der Kinder überlassen. Was gleichbedeutend wäre mit Entscheidung durch Fräulein Corinna. Dies zu hindern, deshalb eben bin ich hier. Ich hoffte bei den Erinnerungen, die zwischen uns leben, Ihrer Zustimmung und Unterstützung sicher zu sein, sehe mich aber