Heft 
(1892) 71
Seite
50
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Kn Thronerbe als Diplomat.

Historische Studie aus der Rheinbundszeit.

Nach archivalischen Quellen von

Ludwig von Hirschfeld,

Kaiser!. Botschaftsrath z. D.

III.

In Paris war es nun stiller geworden. Der Erbprinz empfand diese Ruhe nach dem aufreibenden, gesellschaftlichen Treiben wohlthuend. Doch verkehrte er fortgesetzt in den Salons einflußreicher Personen, so fast täglich in dem Hause des Fürsten von Benevent.

Am 16 . April traf Herr von Oertzen mit der vom Herzog ratificirten Accessionsacte in Paris wieder ein. Er brachte zugleich den nachstehenden Brief:

Ludwigslust, den 5. April 1808.

Liebster Sohn! Nicht genug kann ich Dir durch diese Zeilen meine Zufriedenheit und meinen Dank bezeugen, die Du so reichlich durch Dein ganzes Benehmen bei den Unterhandlungen verdient hast. Du hast nicht nur einen unermüdeten Eifer für unsere gute Sache, sondern auch eine Gewandtheit dabei an den Tag gelegt, die mich um so mehr freut, als sie von einer richtigen Einsicht und Menschenkenntniß zeugt. Auch wundere ich mich über Deine Fassung und Geistesgegenwart in den Audienzen dem Kaiser Napoleon gegenüber.

Den Sitz im ersten Collegium wünschte ich freilich sehr, um nicht vielen anderen altfürstlichen Häusern künftig nachzustehen. Immer ist man damit auch einigen Ge­fahren weniger für seine Existenz ausgesetzt, indessen, liebster Sohn, hast Du alles gethan und Dich genug bemühet. Auch hast Du wahrscheinlich die nicht namhaft gemachte Connexion noch weiter fortgesetzt. Unsere Aussichten stehen, wenn sich die Umstände nicht gänzlich ändern, immerhin sehr günstig.

Da Du wünschest, jetzt so bald als möglich von dort abzureisen, wenn Lützow nur angekommen sein wird, so habe ich denselben angewiesen, sich gleich auf den Weg zu machen, und so sehe ich denn Deiner Zurückkunft hierher mit angenehmer Erwartung entgegen.

Die Original-Beitrittsacte zur Auswechselung wird Dir Oertzen mit meiner Rati­fication wieder einhändigen. Das große Siegel oder Wagenrad haben sie mir in Schwerin ganz wider meinen Willen aufgedrückt, wie denn jetzt daselbst die Mode