Heft 
(1892) 71
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Ein Thronerbe als Diplomat.

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rst, alles windschief zu machen, denn die französischen Behörden machen mir nicht so viel Ungemach und Verdruß als meine eigenen. Wann ich das Vergnügen haben werde, Dich wieder zu sehen, wirst Du manches von mir erfahren, woraus nur zu klärlich zu ersehen ist, wie schwer es den hiesigen Autoritäten ankömmt zu gehorchen, und wie wenig mein Benehmen in dem Gang der Geschäfte ihren Beifall findet. Die Lage aller Sachen hat sich bei den jetzigen Conjuncturen verändert, folglich muß sich auch der Gang der Geschäfte verändern, um die Realität in den Geschäften zu befestigen, bannt die Macht in den eigenen Händen des Herrn bleibt und nicht in die seiner Diener übergeht.

Nun schließe ich diesen Brief mit dem innigsten Gefühl der Liebe und Freund­schaft, mit welcher ich stets bin und bleiben werde Dein treuer Vater und Freund

Friedrich Franz."

Der Herzog war, wie man sieht, mit dem Ergebniß der Unterhandlung -ganz zufrieden. Ihm kam es vor Allem auf ein geordnetes, staatsrechtliches Berhältniß an. Dieses schien ihm durch den Beitritt zum Rheinbund gewonnen. Die unklaren und unsicheren Zustände, in welche die kleineren Territorialstaaten nach der Auflösung des Reichs und noch mehr durch die napoleonischen Gebiets­vertheilungen gerathen waren, empfand er längst als lästig. Zudem plante er -eine Abänderung der alten ständischen Verfassung und eine durchgreifende Re­gulirung der zerrütteten Finanzlage. Er beabsichtigte sich darüber mit seinen Ständen auf einem außerordentlichen Landtag auseinander zu sehen, was auch noch im Herbst desselben Jahres geschah. Friedrich Franz war ein praktischer Mann; in der Politik ließ er sich an dem Erreichbaren genügen; seine 52jährige Regierung hat dies fortdauernd bestätigt. Hochfliegende Pläne und Vergrößerung- gelüste lagen ihm fern. Deshalb bereitete ihm auch das Entsagen auf die groß­herzogliche Würde eine ungleich geringere Enttäuschung als seinem Sohn, der vielleicht ehrgeiziger angelegt war. Die vagen Hoffnungen, zumal aus Gebiets­zuwachs hatten für ihn gar keinen Werth. Mecklenburgs Grenzen waren noch dieselben wie vor einem Jahrtausend. Dieser Besitz genügte ihm. Weit mehr nagte der wirthschastliche Ruin des Landes an seinem Herzen. Eine erkleckliche Geldentschädigung wäre ihm lieber gewesen, als Titel, Würden und Gebiets­erweiterung. Aber daraus war nicht zu rechnen. So ging er denn, nachdem eine staatsrechtliche Grundlage geschaffen, als umsichtiger und praktischer Regent un­gesäumt an die Regelung der innern Verhältnisse und begann damit, zunächst die kleine Kriegsmacht des Landes neu zu organisiren. Da die Franzosen alle Waffen und Munition weggeschleppt hatten, so mußte der Erbprinz in seinem Namen noch während der letzten Wochen des Pariser Aufenthalts Schritte thun, um die Herausgabe wenigstens eines Theils der Gewehre bei dem Kriegsminister Clarke zu erwirken. Diese Schritte hatten aber keinen Erfolg. Man war ge- nöthigt, die Gewehre für die neuerrichteten und zu einer Brigade formirten vier Bataillone in Lüttich zu kaufen und bei der Ebbe in den herzoglichen Lassen, den Betrag durch eine Anleihe zu hohen Zinsen zu beschaffen. Dabei dauerten die Vexationen Soult's fort. Noch zu Ende April hatte er eine große Anzahl von Kranken nach dem Militärlazareth in Dargun schaffen lassen, obwohl nach dem Vertrag vom 22. März dieses Lazareth hätte aufgehoben werden müssen. Von der Stadt Rostock hatte er fünfzig auf Kosten der Rhederei auszurüsteude Trans-