Heft 
(1892) 71
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Deutsche Rundschau.

portschiffe gefordert und dabei gedroht, den Magistrat vor ein Kriegsgericht zu stellen, wenn diese Schiffe nicht an dem dafür bestimmten Tage fegelfertig wären. Wieder mußte der Erbprinz an den Herzog von Neufchütel schreiben, um die Evacuation des Landes doch endlich zu erwirken. Erst durch einen formellen Befehl, der am 24. Mai von dem kaiserlichen Hauptquartier aus erging, ließ fich der eigensinnige Marschall Soult bewegen, den Rest der französischen Besatzung aus dem Lande zu ziehen. Dieses blieb wenigstens ein Jahr hindurch von Ein- quartirung frei, bis der Schill'sche Streifzug neue Einmärsche und neues Ungemach heranfbeschwor.

Ganz so resignirt wie sein Herr war der Minister von Messen über den Ansgang der Pariser Verhandlungen nicht. Noch am 28. März, also zwei Tage vor dem Eintreffen der vollzogenen Urkunde in Ludwigslust, hatte er dem Erb­prinzen geschrieben:

Ich gestehe Ihnen, mein gnädigster Herr, daß ich die Erwartung, Mecklenburg werde seinen Platz im ersten Collegio erhalten, noch nicht ausgeben kann und darf,, da die Anweisung des Sitzes im zweiten Collegio, auch wenn sie unvermeidlich wäre, doch für das Herzogliche Haus und selbst für den Umsang dieses Landes eine un­verkennbare Herabsetzung bleibt. Ich muß daher noch andere Ursache davon vermuthem die mir nicht bekannt ist. In politischer Hinsicht ist es immer keine gute Vorbedeutung. Es würde Rußland ja nicht geschadet haben, hierüber ein bestimmtes Verlangen zu stellen, und Was hindert es, daß solches nicht noch jetzt und auch nach dem Beitritt geschieht. Wenn der russische Kaiser auch jetzt aus keine Entschädigung für unser Land antragen will und kann, so wird er sich doch dafür interessiren wollen, daß sein Schwager anständig placirt und nicht zurückgesetzt werde. Die allgemeinen Empfehlungen und Verwendungen führen gewöhnlich zu nichts. Und etwas Bestimmtes läßt sich immer fordern und erbitten."

Jetzt, wo der Vertrag vollzogen war, ließ sich zwar zunächst nicht viel thun. Auch erkannte Plessen an, daß der Erbprinz es an Eifer und Entschlossenheit nicht hatte fehlen lassen; er rechnete aber auf die Zukunft. In diesem Sinne war es ihm sehr erwünscht, daß der Oberhofmeister von Lützow, der inzwischen von St. Petersburg zurückgekehrt war, sogleich nach Paris ging, um den Erb­prinzen dort abzulösen.

Lützow war schon in früheren Jahren Gesandter am französischen Hofe ge­wesen und dann nach Berlin versetzt. Nach Beendigung seiner beschwerlichen Mission in Warschau und Petersburg während des Winters 1806/7 hatte er sein Hofamt in Ludwigslust bekleidet, war aber im Februar 1808 wieder in be­sonderer Mission nach St. Petersburg gegangen. Diese Entsendung war auf ausdrücklichen Wunsch des Ministers Grafen Basfewitz erfolgt. Der Herzog hatte nur ungern zugestimmt; er hielt sie für überflüssig und namentlich für zu kost­spielig. Zwischen ihm und dem leitenden Minister bestanden überhaupt seit einiger Zeit Differenzen, welche im Verlauf noch schärfer hervortraten und dahin führten, daß Graf Bassewitz einige Monate später seine Entlassung nahm. Auf diese Reibungen bezieht sich denn auch der Schluß des oben angeführten Briefes, in welchem der Herzog über Schwierigkeiten in der Regierung Klage führt. Auch mit der Wahl Lützow's zum Vertreter in Paris war Friedrich Franz eigentlich nicht einverstanden und hatte darüber an den Erbprinzen geschrieben: