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Deutsche Rundschau.
Paris und hoffe nun in wenig Wochen das geliebte Vaterland wieder zu sehen. Herr von Bosfet wird noch acht Tage hier bleiben, um die kaiserliche Ratification der Acceffionsacte zu erwarten. Sollte sie indessen alsdann nicht da sein, so werden seine weiteren Geschäfte einen längeren Aufenthalt nicht gestatten, und wird alsdann Herr von Lützow die Auswechselung beschaffen.
Ich werde meine Rückreise über Straßburg antreten. Mein Weg führt mich über Karlsruhe, wo ich mich indessen nicht aufhalten werde, Würzburg, Bamberg, Coburg, Hildburghausen, Gotha und Weimar.
Glücklich werde ich mich schätzen, um bald persönlich die Huldigung der kindlichsten Liebe und Ehrfurcht zu Füßen legen zu können, mit welcher ich lebenslänglich verharre Meines gnädigsten Vaters unterthänigst treugehorsamster Sohn
Friedrich Ludwig."
Der Umweg über Thüringen hatte, wie es scheint, seinen besonderen Zweck. Friedrich Ludwig fühlte die Nothwendigkeit, seinen Kindern wieder eine Mutter,, seinem verödeten Hause eine Herrin zu geben. Seine Aufmerksamkeit war in dieser Hinsicht auf die Prinzessin Caroline von Sachsen-Weimar gelenkt worden, und der Besuch am Weimar'schen Hofe sollte Wohl zu einer näheren Bekanntschaft die Gelegenheit bieten. Einige Monate später führte ihn, wie wir weiter unten sehen werden, ein neuer politischer Anlaß, der Erfurter Fürstencongreß, nochmals- nach Weimar, und diese wiederholten Besuche legten den Grund zu einer Annäherung, die dann in der am 1. Juli 1810 gefeierten Vermählung ihren glücklichen Abschluß fand.
Dieser erste Aufenthalt in Weimar war übrigens nur von kurzer Dauer. Es drängte den Prinzen nach der Heimath, namentlich zu seinen Kindern, an denen er mit großer Zärtlichkeit hing. Am 17. Mai traf er wieder in Ludwigslust ein. Seine Abwesenheit hatte sieben Monate gewährt. Sie war ihm nicht leicht geworden. Friedrich Ludwig war im Ganzen eine Weiche Natur mit einem stark ausgesprochenen Sinn für das Familienleben. In dem geräuschvollen Treiben der französischen Hauptstadt verließ ihn das Heimweh nie; der Glanz des Tuilerien- hoses, der Wechsel der Scenerie konnten ihn nicht entschädigen für die Trennung von den Seinigen. Und dabei lastete noch auf ihm der Gedanke an die traurige Lage seines Landes und an die peinliche Aufgabe, die ihm selbst dabei zugesallen war. Wahrlich, es mochte nicht leicht sein für einen deutschen Fürstensohn, der bis vor Jahresfrist keinen andern Willen über sich gekannt, als den des eigenen Vaters, dort, in fremdem Lande, um das Wohlwollen eines übermüthigen Despoten zu werben, bei Marschällen und Ministern zu antichambrieren, die geeigneten Augenblicke für den Vortrag seiner Angelegenheit zu erspähen und das gewissermaßen als Vergünstigung zu erbitten, was, — nach dem Tilsiter Vertrage und späteren formellen Abmachungen, — seines Vaters wohlbegründetes Recht war. Und dabei galt es, unter verbindlichen Formen, welche die Etikette des Hofes, wie auch die Art des Auftrags erforderten, die Würde des Standes nach außen und im eigenen Innern die Selbstachtung zu bewahren. Der fürstliche Unterhändler durfte sich durch abweisende Kälte nicht abschrecken, durch berechnetes Hinhalten nicht ungeduldig machen lassen. Er stand dort im Dienst des Vaterlandes ; er vertrat wichtige Interessen seines Hauses, die Wohlfahrt seiner Landsleute. Der Erfolg der Mission durste nicht durch persönliche Empfindlichkeit in