Heft 
(1892) 71
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Deutsche Rundschau.

Würdige Zurückhaltung, die ihm in Paris und Petersburg die Achtung und Zu­neigung einflußreicher Personen gewonnen hatte. In diesem Benehmen mußte ihnWe Wahrnehmung bestärken, daß es sich in Erfurt überhaupt nicht um einen politischen Congreß, sondern um eine Heerschau handelte, um ein glänzen­des Schauspiel, in welchem nur zwei Personen als Acteurs, alle andern als Statisten auftraten und das lediglich zur Verherrlichung des Einen, Gewaltigen veranstaltet war. Was zwischen den beiden Kaisern verhandelt wurde, blieb selbst ihrer nächsten Umgebung ein Geheimniß. Von den deutschen Angelegen­heiten war kaum die Rede. Wohl mochte mancher von den Rheinbunds-Fürsten Wünsche und Anliegen auf dem Herzen haben, aber die kühle, abweisende Hal­tung des Protectors drängte sie von den Lippen zurück, und auch mit seinen Ministern konnte nichts von Belang verhandelt werden.

Am 21. September verließ der Erbprinz Ludwigslust und traf am Abend des 23. in Weimar ein. Er hatte seinen achtjährigen Sohn, den Prinzen Paul mitgenommen, um ihn den dortigen Verwandten, die Erbgroßherzogin Marie Paulowna war eine Schwester der so früh dahingeschiedenen Helene, nament­lich aber dem Kaiser Alexander vorzustellen, welcher dies gewünscht zu haben scheint. Troß der anstrengenden Fahrt,- denn man reiste Tag und Nacht, kam der kleine Prinz Wohl und vergnügt in Weimar an, wie sein Vater noch am selben Tage nach Hause meldete. Die mecklenburgischen Gäste bewohnten auf Wunsch des Kaisers Alexander einen Theil derjenigen Zimmer, die für ihn im herzoglichen Schloß bereit gehalten wurden. Der Zar wollte die Seinigen recht nahe bei sich haben. Seine Ankunft in Weimar sollte am 25. erfolgen. Sein Bruder Großfürst Constantin reiste ihm vorauf. Das Gefolge des Kaisers war sehr zahlreich. Außer dem Minister des Auswärtigen, Grafen Romanzoff, und dem in Paris accreditirten Grafen Tolstoi, begleiteten ihn die Fürsten Wolkonski, Trubetzkoi, Gagarin, Galitzin, die Grafen Uwaroff und Schuwaloff, sowie noch mehrere Generale, Staatsräthe und Adjutanten.

Den Herzog von Sachsen-Weimar fand der Erbprinz am 23. nicht mehr anwesend. Er war am Morgen nach Eisenach gefahren, um die Vorbereitungen zum Empfang des Kaisers Napoleon zu treffen, der, von Mainz kommend, am 25. dort erwartet wurde. Seine Ankunft verzögerte sich aber um einen Tag. Napoleon hatte die Personen seines Gefolges mit besonderer Sorgfalt gewählt. Er wollte von den bedeutendsten Heerführern, namentlich von solchen Marschällen begleitet sein, die, wie Berthier, Soult, Davoust, Lannes, Mortier und Oudinot, in Deutschland bekannt waren, daneben aber auch von den Trägern alt­aristokratischer Namen, wie Talleyrand, Montesquiou, Sapieha u. s. w. Der Hofstaat unter dem Palastmarschall Duroc, dem Palastpräfecten Beauffet, dem Generalintendanten des kaiserlichen Hauses, Grafen Daru, und dem der kaiser­lichen Schauspiele, Grafen Mmusat, war überaus zahlreich und glänzend. Außer der nmison militairs begleiteten den Kaiser noch eine Reihe von Generalen, sowie die Minister Champagny und Maret mit ihren Canzleien. Natürlich war auch der Botschafter in St. Petersburg, Caülaincourt, berufen; er reiste in der Suite des Zaren.