Heft 
(1892) 71
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Ein Thronerbe als Diplomat.

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überhaupt von dergleichen Angelegenheiten die Rede sein würde, er nicht zweifele, daß der Kaiser sich gern für unsere Angelegenheiten verwenden würde. Was aber die Ver­größerung an Land und Leuten und namentlich die Beilegung der Herzogthümer Lauen­burg oder Schwedisch-Pommern beträfe, so würde dieses natürlich allemal erst beim Frieden entschieden werden können.

Se. Majestät sind außerordentlich mit meinem Sohn zufrieden, was mich denn sehr glücklich macht. Der Minister Champagny hat mir eine sehr verbindliche eigen­händige Antwort durch Herrn von Oertzen gesandt, in welcher er mich versichert, daß es keiner Erlaubniß bedürfe, nach Erfurt Zu kommen, und daß der Kaiser Napoleon mich gewiß sehr gerne dorten sehen würde."

Erfurt, den 27. September.

Um 1 Uhr Mittags ist Kaiser Alexander von Weimar abgereist. Eine Meile vor der Stadt Erfurt ist ihm der Kaiser Napoleon entgegen gekommen, und dann haben beide Monarchen den Weg zu Pferde zurückgelegt und unter dem Donner der Kanonen und unter Bedeckung von Infanterie und Kavallerie ihren Einzug gehalten. Sie sind im Quartier des russischen Kaisers abgestiegen. Nachher haben sie sich nach dem des französischen begeben, wo in Gesellschaft des Königs von Sachsen gespeist worden ist. Abends hat der Kaiser Napoleon den russischen im Wagen nach Hause gebracht, welcher späterhin noch einen Besuch bei der Fürstin von Taxis, geborenen Prinzeß von Strelitz, gemacht hat. Der Erbprinz von Strelitz ist gestern Morgen mit dem Grasen von Schlitz än Weimar angekommen. Er schickte auch hieher, um die Erlaubniß zum Herüber­kommen zu erhalten und wird vermuthlich heute Nachmittag folgen, was auch der Herzog von Oldenburg thut. Ich habe aus Mangel an Pferden erst den Abend um 7 Uhr Weimar verlassen können und bin gegen 10 Uhr hier angekommen. Ich wohne bei unserem Landsmann Baron von Stenglin, welcher so gütig gewesen ist, mich auf­zunehmen, und mir aufträgt, ihn meinem gnädigsten Vater zu Gnaden zu empfehlen. Gleich bei meiner Ankunft meldete ich diese schriftlich dem Minister von Champagny und wiederholte meine Bitte, dem Kaiser Napoleon aufzuwarten. Ich erhielt sogleich ein überaus höfliches Billet, in welchem er mir versprach, mich morgen beim Kaiser zu melden und mich auf morgen Mittag zu Tische bat. Ganz spät war ich noch bei meiner Cousine von Taxis. Erfurt war diesen Abend sehr hübsch erleuchtet."

Den 28. September.

Heute Morgen um 11 Uhr habe ich die Ehre gehabt, Sr. Majestät dem Kaiser- Napoleon aufzuwarten, welcher mich außerordentlich gnädig empfing, mir sagte, daß es ihm lieb sei, mich wiederzusehen, mich nach dem Wohlsein meines gnädigsten Vaters srug, ob ich schon heute Morgen den Kaiser Alexander gesehen habe u. s. w. Ich sagte Sr. Majestät, wie mein gnädigster Vater Alles thäte, um seinen Pflichten genau nachzukommen, woraus Se. Majestät mir sagten, wie sie sich freuten, daß nunmehr Alles, was uns belästigt habe, geendigt sei.

Nachher hatte ich eine Privataudienz beim Kaiser Alexander, in welcher ich ihn wie immer als guten, alten Freund gefunden habe. Ich sagte, daß ich dem Grafen Romanzoff ein Memoire übergeben hätte, was er auch schon wußte, und bat ihn, sich für uns zu verwenden. Er erwiderte aber aufrichtig, daß anjetzt noch so viele, wichtige Punkte zu beseitigen wären, daß es schwer sein würde, etwas Bestimmtes zu versprechen. Billigerweise ist wohl auch nicht zu verlangen, daß, wenn durch diese Begünstigung andere, das Wohl des Ganzen betreffende Arrangements erschwert werden sollten, er diese unserem Privatinteresse nachsetze. Allemal bin ich der gewissen Ueberzeugung, daß man russischerseits uns gerne das Wort reden wird.

Heute Mittag hatte der französische Kaiser mich zur Tafel eingeladen. Der russische Kaiser, ich darf es sagen, distinguirte mich im Beisein Napoleon's auf eine so gütige Art, daß ich tief gerührt darüber bin. Das Diner war äußerst interessant. Es aßen