Heft 
(1892) 71
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Deutsche Rundschau.

dort außerdem noch der König von Sachsen, der Großfürst Konstantin und der Herzog, von Weimar. Der französische Kaiser that dem russischen eine Menge Fragen üben die Administration seines Reiches. Ich kann nicht umhin, hier eine Aeußerung zu bemerken, welche ihrer Bedeutung wegen mir wichtig geschienen hat. Napoleon sagte unter Anderem, daß der wirthschaftliche Aufschwung eines Landes sehr gehemmt sei, wenn der Souverän darin allzuviel Domänen habe; nur wenn dasselbe in den Händen kleiner Particuliers sich befände, könne ein Staat blühen. In dieser Aeußerung finde ich einen politischen Grund mehr, um bei uns die Vererbpachtung der Bauern zu bewerkstelligen.

Nach dem Diner des Kaisers fuhr ich zum Minister von Champagny, bei dem ich hatte essen sollen. Er war noch bei Tische. Als er erfuhr, daß ich dort sei, verließ er seine Gäste, um mir Gesellschaft zu leisten, und war von einer so ausgezeichneten Höflichkeit in Gegenwart verschiedener anderer Fürsten, daß es mich in der That embarassirte. Wenngleich ich wohl weiß, daß dieses nur des russischen Kaisers wegen geschieht, so ist es im Ganzen doch nicht ohne Nutzen. Ich suche indessen, mich so wenig wie möglich dieses zu rühmen, und mich lediglich wie es einem deutschen Fürsten zukommt zu benehmen. Der Graf von Champagny zeigte mir mit sichtbarer Zufriedenheit die Dose mit dem Porträt meines gnädigsten Vaters und brachte das Gespräch auf unsere inneren Verhältnisse. Er fragte, ob wir keine Schwierigkeiten mit den Ständen hätten, woraus ich erwiderte, daß die Finanz- und Militärangelegenheiten anjetzt arrangirt würden, daß das klebrige mit einer ständischen Deputation abgemacht werden solle, daß übrigens mein Vater seine klnterthanen als Kinder behandle und die neuen Einrichtungen auf gewisse Hauptgrundsätze beschränke, welche durch die ver­änderte, politische Lage gegeben wären. Hierauf sagte der Minister, er habe kürzlich Nachrichten hierüber durch den Viceconsul Desbordes in Rostock erhalten und fragte, wie wir mit ihm zufrieden seien. Ich erwiderte, daß wir bisher nur Ursache gehabt hätten, ihn zu loben, erwähnte aber seiner Differenz aus dem Convoeationstage. Der Minister sagte, er fände, daß Desbordes in seinen Prätensionen höchst unrecht habe; er sei nur Viceconsul, habe mit der Diplomatie nichts zu thun und sich nur um die Angelegenheiten des Handels zu kümmern. Der Minister fragte weiter, ob er ehrlich sei. Ich erwiderte: so viel ich wisse, sa; übrigens sei er in einer guten Schule ge­wesen. Champagny lachte und sagte:Deshalb gerade frage ich danach, Monseigneur. Nimmt er Geldd"" Ich wiederholte, daß ich nichts davon wüßte, daß dies übrigens, seitdem wir selbst unsere Küsten und unseren Handel bewachten, unmöglich geworden sei; daß ich glaubte, er fände unsere Maßregeln zuweilen zu strenge, daß wir aber genau das hielten, was wir versprochen hätten.

Ich habe die frohe Ueberzeugung, daß unsere Sachen gut stehen und daß die Zeit kommen wird, wo wir es angenehm empfinden werden. Den größeren Begeben­heiten vorzugreifen, ist nicht immer möglich, indessen werde ich nicht aufhören zu wirken,

wo es nur immer angeht.-Minister Champagny hat mich ein für allemal

zum Essen gebeten . . . Heute Abend ward Andromache gegeben."

Den 30. September.

Die hiesigen Verhandlungen werden sehr geheim gehalten, so daß es wohl zu gewagt wäre, Konjekturen darüber zu machen. Allemal scheint es aber gewiß, als wenn die Erhaltung des Friedens auf dem festen Lande der Hauptgegenstand derselben ist. Der seit zwei Tagen anwesende österreichische General St. Vincent hat gestern eine vierstündige Audienz bei dem französischen Kaiser gehabt. Heute war er gleichfalls bei dem russischen. Der General soll sich zufrieden geäußert haben. Man hat mir Versichert, daß dem abgeschlossenen Vertrage mit dem Prinzen Wilhelm von Preußen zuwider, die Absicht bestanden haben soll, die Truppen dennoch nicht herauszuziehen, daß aber der Kaiser Alexander eine vortheilhaste Aenderung bewirkt habe, sowie auch längere Termine zur Abtragung der Contribution.