Heft 
(1892) 71
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Deutsche Rundschau.

und Aldringen den Befehl derExemtion" überbringen; sie sollten es von den Umständen und ihrem Gutdünken abhängen lassen, ob sieviolenter oder auf anderem Wege" Vorgehen wollten. DieExemtion" aber erfolgte nicht so schnell, wie der von Furcht und Hoffnung bis zur Schlaflosigkeit erregte Kaiser erwartete. Ob wirklich, wie Jrmer aus dem Briefwechsel der erwähnten Generale glaubt entnehmen zu können, Gallas bis zuletzt die Hoffnung nicht ganz aufgegeben hat. Wallenstein von seinen gefährlichen Plänen in letzter Stunde wieder abzubringen? In der That will Gallas, der am 24. Januar nach Pilsen kam, die Dinge dort günstiger gefunden haben als er dachte. Daß er sich schmeichelte, den Herzog bestimmen zu können, statt sich von den Feinden durch Verhandlungen betrügen zu lassen, einen kräftigen Schlag gegen sie zu führen, ist merkwürdig genug; noch merkwürdiger, daß Piccolomini noch am 27. Januar versicherte, er sei bereit, auf den Wunsch von Gallas und Wallensteinnach Pilsen zu fliegen", und wenn sich der Herzog nach dem Rathe des Gallas benehme, so wollten sieihn groß machen und den Feind schlagen und zu Tractaten zwingen". Konnten sich Gallas und Piccolomini trotz ihrer nahen Verbindung mit dem herzoglichen Hauptquartier wie mit dem Wiener Hofe so vollständig über die Situation täuschen? Oder waren solche Briese trotz ihres vertraulichen Charakters darauf berechnet, von Wallenstein's Spähern aufgefangen, ihn um so sicherer gegen ihr Verschwörerthum zu machen? Unwahrscheinlich wäre dies nicht. Wie ich nicht anzunehmen vermag, daß der kluge Gallas noch um diese Zeit an die Möglich­keit der Abfindung des Generalissimus geglaubt habe, ebenso wenig kann ich es für ernst gemeint halten, wenn Wallenstein selbst noch wiederholt seine Bereit­willigkeit erklärte, gegen Erfüllung bestimmter Forderungen von dem Ober- commaudo freiwillig zurückzutreten. Er hatte allen Grund, so lange als möglich dem Hose gegenüber die Maske nicht abzuwerfen, wie ja auch Ferdinand II. aus Furcht vor der Waffenmacht seines Feldherrn es an heuchlerischen Versicherungen selbst zu der Zeit nicht fehlen ließ, als er schon den Auftrag gegeben hatte, sich seiner Person lebendig oder todt zu bemächtigen. Daß diese Weisung an Piccolomini und Aldringen ergangen ist, steht heute fest. Als diese beiden Generale nebst Gallas zu Anfang Februar den Auftrag erhalten hatten, gegen den General­issimus und seine Helfershelfer vorzugehen, erklärten sie sich zwar zum Gehorsam bereit; ehe aber die beiden Elfteren sich nach Pilsen begaben, um mit Hülfe des dort im Stillen thätigen Gallas das Haupt der Rebellion und seine nächsten Genossen in ihre Gewalt zu bringen, eilte Aldringen heimlich nach Wien und empfing vor dem Thore der Stadt aus die Frage, wie sie gegen Wallenstein vorzugehen hätten, durch den spanischen Gesandten den kaiserlichen Bescheid, man solle sich ohne Zögern der Person Wallenstein's todt oder lebendig bemächtigen. Jndeß fanden die Generale es doch zu gefährlich, den anfangs beabsichtigten Handstreich gegen das Hauptquartier zu Pilsen auszusühren; dagegen sandte Gallas, durch List aus Pilsen entkommen, am 16. Februar mit einem ausführ­lichen Armeebefehl das kaiserliche Patent vom 24. Januar an die einzelnen Obersten. Am 18. Februar erließ dann der Kaiser ein zweites Patent, worin Wallenstein, Jllo und Trcka des Hochverrats beschuldigt und die Armee zum Gehorsam an Gallas und andere Generale gewiesen wurde. Die Folge war.