450
Deutsche Rundschau.
So einfach, wie Gindelh mit dem spanischen Diplomaten die Verwicklung faßt, liegt sie freilich nicht. Außer dem Sturz des Hauses Oesterreich gab es für Wallenstein noch andere Wege, auf denen er das Ziel seines Ehrgeizes verfolgen konnte, und in dem Conflict, in den er mit dem Wiener Hof gerieth, handelte es sich weniger um den Lohn, den Ferdinand II. ihm versprochen, als um die ungeheuere Macht, die der Kaiser in seine Hand gelegt hatte. Wollte Ferdinand nicht aushören, Kaiser zu sein, so mußte er die vollständige Abhängigkeit von Wallenstein auf die Dauer unerträglich finden, und unvermeidlich war, daß Mißtrauen und Furcht sich seiner bemächtigten, sobald die Kriegsführung nicht mehr den hohen Erwartungen entsprach. Ja, Ferdinand konnte glauben, nur seine kaiserliche Pflicht zu thun, wenn er in die Kriegführung einzugreifen, die Vollmachten des Verdächtigen zu beschränken oder ihn zum Rücktritt vom Commando zu bewegen, oder endlich, im Falle offenen Widerstandes, mit Gewalt zu entfernen trachtete. Und Wallenstein? Hätte er, als der unvermeidliche Conflict zum Ausbruch kam, seine Leidenschaften bändigen und unter Verzicht auf alle hochfliegenden Pläne, unter Verzicht selbst auf gerechte Ansprüche der Macht entsagen sollen, die er in Händen hielt? Er würde, wenn er so gehandelt, aufgehört haben, der Wallenstein zu sein.