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Deutsche Rundschau.
Der erste Versuch, sich zur See wehrbar zu machen, geschah von Seiten Preußens Mitte der vierziger Jahre. Eine kleine Corvette wurde gebaut, die Herstellung weiterer Schiffe geplant. Aber statt Beisall und Unterstützung fand dieses Vorgehen nur Hohn und Mißgunst in Deutschland. An der Nordseeküste wurde nicht das Geringste unternommen, um sich gegen etwaige feindliche Angriffe zu sichern. Die Hansestädte schienen ihre alten glorreichen Traditionen ganz vergessen zu haben. — Unter solchen Umständen wurde Deutschland im Frühjahr 1848 in den Krieg mit Dänemark verwickelt. Preußen übernahm im Anstrage des deutschen Bundes die gewaltsame Befreiung der Herzogthümer. Die nächste Folge seiner Operationen war, daß die Dänen alle preußischen Handelsschiffe, deren sie habhast werden konnten, Wegnahmen und sämmtliche deutschen Häsen mit ihrer Flotte blockirten. Die deutschen Kauffahrteischiffe flüchteten so schleunig wie möglich nach neutralen Küsten. Die aus dem Westen ohne Ahnung von den Ereignissen heransegelnden Schiffe ließ Preußen durch einen im Canal stationirten, gemietheten englischen Dampfer warnen. — Durch ganz Deutfch- land schallte das Nothgeschrei. Mit Schrecken erkannten plötzlich die Küstenstädte ihre Wehrlosigkeit. Ueberall brach sich der Gedanke Bahn, daß Deutschland sofort einige Schiffe erwerben und den Dänen entgegenstellen müsse. König Friedrich Wilhelm I V. erklärte sich bereit, die nöthigen Geldmittel vorzuschießen, und der Frankfurter Bundestag nebst dem Fünfziger - Ausschüsse thaten Schritte, um in England geeignete Fahrzeuge anzukaufen. Gleichzeitig entstanden in allen größeren Städten Comites zur Sammlung freiwilliger Spenden für eine deutsche Flotte. Die Zeitungen waren voll von Betrachtungen über die „deutsche Seeunmacht", „unsere Meeresuntüchtigkeit", „unsereKüstenschwäche". Man versprach sich Hülse von den Vereinigten Staaten, von Holland, von England. Auf Oesterreichs Stärke zur See und Geneigtheit zur Hülfe baute man große Hoffnungen. Nur zu rasch erwiesen sich aber alle diese Erwartungen vergeblich. Kein Mensch im Auslande dachte daran, den Deutschen zu helfen, und Oesterreich zeigte sich nicht einmal im Stande, seine Küsten gegen die Italiener zu vertheidigen. Mehr und mehr drängte sich die Erkenntniß aus, daß man sich selbst helfen müsse.
Die ersten praktischen Schritte geschahen in Hamburg. Einige große Rheder stellten dort drei Segelschiffe zur Verfügung und zeichneten über hunderttausend Thaler zur Ausrüstung. Aus ihre Veranlassung fand außerdem im Mai eine Marinecongreß statt, bei dem die Pläne für eine deutsche Flotte beschlossen wurden. — Um dieselbe Zeit begann Preußen den Bau einer Anzahl Kanonenboote und stellte ebenfalls sachverständige Erörterungen über den Bau einer Flotte an. Entscheidend aber war, daß die Frankfurter Nationalversammlung auf Antrag des Generals von Radowitz am 14. Juni die Summe von sechs Millionen Thalern zur Begründung einer Kriegsflotte bewilligte. Jedoch verflossen Monate, bis Anfang October der Beschluß des Parlaments vom Reichsverweser bestätigt und zugleich eine eigene Marinebehörde unter der Leitung des Handelsministers Duckwitz niedergesetzt wurde. Die Ausarbeitung der Flottenpläne legte man in die Haud einer technischen Commission, an deren Spitze Prinz Adalbert von Preußen trat. Die Schöpfung der Flotte von 1848 ist wesentlich das Werk dieser Körperschaft. Auf ihr Gutachten hin wurden zwei Handelsdampfer in England und einer in Amerika angekaust, und der Bau dreier weiterer Schiffe in England bestellt. Auch die Auswahl des Ofsiciercorps im Auslände und alle weiteren Einrichtungen sind von der Commission geleitet worden. Zum Chef des Geschwaders wurde der griechische Seeosstcier Brommy, ein geborner Sachse, gemacht. — Als das Frühjahr 1849 herankam, waren fünf Dampfer und zwei Segelschiffe außer einer kleinen Seemacht, welche die holsteinische Statthalterschaft ins Leben gerufen hatte, zum Kriege gegen Dänemark vorhanden. Die Fahrzeuge ließen zwar viel zu wünschen übrig, aber zu einem Handstreich reichten sie immerhin aus.
Leider hatten aber unterdessen die politischen Verhältnisse Deutschlands eine sehr ungünstige Weudung genommen. Die auf das Parlament gesetzten Erwartungen hatten sich nicht erfüllt, das Reichs-Ministerium stürzte, und mehr und mehr machte sich österreichischer Einfluß in Frankfurt geltend. Die Marineverwaltung gerietst in Geld-