Heft 
(1892) 71
Seite
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Die Schicksale der ersten deutschen Flotte.

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Verlegenheit. Oesterreich, Bayern, Sachsen und einige Kleinstaaten hatten ihre Bei­träge nie eingezahlt, die privaten Spenden waren sehr dürstig geflossen, und bei der politischen Lage war keine Aussicht aus weitere Zahlungen vorhanden. Alle Freunde der Marine setzten ihre Hoffnungen einzig aus Preußen, welches im Mai die Union der außerösterreichischen Staaten gebildet hatte und wegen seiner bedeutenden Geld­beiträge das größte Interesse an der Flotte hatte. In der That machte die preußische Regierung wiederholte Versuche, durch Vermittelung Hannovers und Oldenburgs die Leitung der Marinesachen in die Hände der Union zu bringen. Aber die damaligen Reichsminister Jochmus und Merck hielten diese Schöpfung des Parlaments fest in der Hand und ließen keinen Zweifel daran, daß sie sie lieber zu Grunde gehen lassen, als Preußen ausliefern würden. Ebenso eifersüchtig war Hannover. Es schmeichelte sich damals mehr und mehr mit der Hoffnung, die Vormacht Deutschlands in der Nordsee zu werden und wollte dazu das Geschwader in seine eigene Hand bringen.

Die Auslösung der Reichsregierung, die Einsetzung der provsiorischen Central­commission Ende December 1849 bewirkten keine Aenderung in dieser Sachlage. Oesterreich weigerte nach wie vor Anerkennung seiner Pflicht zur Zahlung der einst vom Parlament beschlossenen Marinebeiträge, machte aber den Anspruch, über das Geschwader nach Gutdünken zu verfügen. Brommy, der wiederholt von Oldenburg und Preußen unter der Hand ausgesordert wurde, offen ans Seite der Union zu treten, konnte sich dazu nicht entschließen, obwohl ihm klar sein mußte, daß nur so die Flotte zu retten war. Nicht einmal zur Uebersührung der Schiffe im Winter nach dem oldenburgischen Brake oder einem der geschützten preußischen Ostseehäfen war er zu bewegen, sondern setzte lieber die im Lause des Jahres 1849 um drei neue vermehrten Dampfer in der Wesermündung allen Gefahren aus. Die Majorität in Frankfurt stand dabei ganz auf seiner Seite.

Das Jahr 1849 verlies, ohne daß eine Entscheidung erfolgte. Die österreichisch gesinnte Majorität fristete das Dasein der Flotte mit Anleihen aus dem Festungs­und anderen Fonds weiter. Nüchternen Politikern drängte sich schließlich das Gefühl immer lebhafter auf, daß der einzige Ausweg Auslösung des Geschwaders in seiner- bisherigen Form sei. Es war der Vertreter Preußens in der Bundes-Centralcommissiou, Oberpräsident von Boetticher, welcher in einem Berichte vom 13. Januar 1851 diesen Vorschlag zum ersten Male amtlich zur Sprache brachte. So lebhaft aber war da­mals noch in Berlin in Folge der Ereignisse von 1848 der Wunsch nach einer See­macht, daß der Gedanke dort doch nicht unbedingten Beifall sand. Am lebhaftesten befürwortete ihn der Handelsminister von der Heydt, aber nur unter der Voraus­setzung, daß Preußen seinerseits eine Flotte besitze, die wenigstens der dänischen ge­wachsen sei.Sollen die Quellen des Nationalwohlstandes in Preußen erhalten und erweitert werden," schrieb er,so ist die Anknüpfung, Erhaltung und Vermehrung unserer Verbindung mit transatlantischen Ländern ein unerläßliches Erforderniß. Insbesondere sind es die zum Theil noch sehr ungeordneten Staaten Amerikas, welche unsere Aufmerksamkeit fordern. Andere Staaten, welche dort die Ueberzeugung be­gründen können, daß sie nötigenfalls Zwangsmittel anwenden können, schließen

günstige Verträge und sind in der Lage, deren Erfüllung erzwingen zu können.

Preußen, welches doch seine Märkte nicht entbehren kann, kann dies nicht. Seine

Agenten sind im Verhältniß zu denen Anderer ungleich weniger mächtig, ohne Ansehen .... Wenn französische oder britische Unterthanen vor Willkür und Be­drückung geschützt sind, sind es deutsche nicht oder doch nicht immer, und in der

traurigen Nothwendigkeit, den Schutz fremder mächtiger Agenten in Anspruch zu nehmen .... Dies würde sich unzweiselhast anders gestalten, wenn Preußen in der Lage wäre, Kriegssahrzeuge in jenen Gewässern zu halten."

Man erwartete in Berlin, daß die Flottenfrage aus der Dresdener Konferenz im Frühjahre 1851 ihre Lösung finden werde. Schwarzenberg zeigte sich privatim der Auslösung des Geschwaders nicht abgeneigt. Aber mit Rücksicht auf Hannover vermied er es, seiner sonst offen ausgesprochenen Ueberzeugung, daß die Schiffe werthlos seien