Heft 
(1892) 71
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Deutsche Rundschau.

und somit die Flotte überflüssig, Ausdruck zu verleihen. Ungelöst kam die Angelegen­heit in die Hände des neu erstandenen Bundestages.

Zuerst schien es, als wolle Oesterreich in Frankfurt die Auflösung der Bundes­flotte ernstlich in die Hand nehmen. Schwarzenberg bezeichnet die Sache in einer nach Berlin gerichteten Note als sehr dringlich, und Herr von Manteuffel war über­zeugt, daß die Schwierigkeit eine rasche Erledigung finden werde. Aber diese Rechnung war ohne Rücksicht auf Hannovers inzwischen noch lebhafter gewordenen Ehrgeiz gemacht. Die dortige Regierung hatte im Mai 1851 in aller Stille Schritte zur Gründung eines eigenen Flottenvereins mit den Süddeutschen gethan und Oesterreichs Unterstützung angerufen. Sie beantragte im Juni, daß die Flotte als Bundeseigen­thum und organische Bundeseinrichtung anerkannt werde. Außerdem setzte sie durch, daß der Bundestag eine Matricularumlage zur Deckung der Marinekosten beschloß. Es war sonach klar, daß Hannover auf Kosten der deutschen Staaten und besonders Preußens, welches die größten Beiträge geleistet hatte, in den Besitz einer Seemacht gesetzt werden sollte, was auf die Entwicklung der deutschen Verhältnisse einen tief­greifenden Einfluß üben mußte. Oesterreich begünstigte das, um Preußen einen Concurrenten zu schaffen.

In Berlin war man sich über diese Sachlage klar und entschlossen, unter keinen Umständen nachzugeben. Die Zahlung der mit Mehrheit beschlossenen Umlage wurde bestimmt verweigert und Schwarzenberg darüber kein Zweifel gelassen, daß man im Falle der Annahme der hannöverschen Anträge auf nachträgliche Leistung aller rück­ständigen Marinezahlungen Oesterreichs und der anderen Staaten bestehen werde. Darauf wollte es der österreichische Staatskanzler nicht ankommen lassen. Er begann im Sommer 1851 eine Schaukelpolitik. Einerseits lehnte er die Anerkennung der Flotte als Bundeseigenthum ab, andererseits unterstützte er in der Stille Hannovers Pläne. Schließlich schlug er Bildung einer Bundesflotte vor, zu welcher Oesterreich, Preußen und die Nordstaaten je ein Contingent zu stellen hätten. Das Kontingent der letzteren sollte natürlich die vorhandene Marine sein. Dieser unfruchtbare Plan wurde Monate lang erörtert, während das Geld immer knapper wurde und Brommy nicht mehr wußte, wie er Schiffe und Mannschaft erhalten sollte. Aber die steigende Verlegenheit nöthigte Oesterreich doch zum Einlenken. Am 29. December erklärte es sich mit Preußens Forderung, durch Zutheilung von Schiffsmaterial für seine An­sprüche entschädigt zu werden, einverstanden. Die Majorität stimmte ihm bei. Aber in Berlin verlangte man nun sofortige Ueberweisnng von Schiffen in natura. Dieses Ansinnen erregte neuen heftigen Streit.

Um denselben beizulegen und überhaupt die lästige Sache aus der Welt zu schaffen war doch der Conflict nach dem Abschlüsse des preußisch-hannoverschen Zolleinigungsvertrages im September doppelt störend entschloß sich Manteuffel im Januar 1852 zu dem Versuche einer directen Verständigung mit Hannover. Er erklärte sich bereit, einem Flottenverein beizutreten und das Geschwader Deutschland zu erhalten. So groß aber war der Eigensinn und die Kurzsichtigkeit der hannöverschen Staatsmänner, daß sie den Vorschlag einfach abwiesen. Trotz dessen wiederholte das preußische Cabinet noch einmal sein Anerbieten im Februar besonders auf Betreiben des Bundestagsabgesandten von Bismarck; aber wieder ohne Erfolg. Erst nach diesen vergeblichen wiederholten Bemühungen, die Angelegenheit gütlich zum Austrag zu bringen, schritt man in Berlin dazu, andere Saiten aufzuziehen.

Noch einmal Ende März 1852 versuchte Hannover die Hülfe der Mittel- und Kleinstaaten zur Ausführung seiner ehrgeizigen Pläne zu bekommen. Es hielt eine Conserenz ab, in der es alle näheren Umstände feststellen wollte. Aber statt der alljährlich zum mindesten erforderlichen 800 000 Thaler wurden nur 517 000 und auch diese nur unter vielen Bedingungen angeboten. Preußen trug mehrmals seinen Beitritt an, wurde aber wieder entschieden zurückgewiesen. Schweren Herzens ver­zichtete Hannover lieber auf seine Aussichten als deutsche Vormacht in der Nordsee. Da auch Oesterreich mittlerweile die Marinesache satt bekommen hatte und in Frankfurt