Heft 
(1892) 71
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Die Schicksale der ersten deutschen Flotte.

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die Majorität für Anerkennung der Flotte als Bundeseigenthum und Nachzahlungs­pflicht stimmte, so war damit das Schicksal der einzigen greifbaren Schöpfung des Parlamentes besiegelt. Anfangs April wurden Preußen der DampferBarbarossa" und der SeglerGefion", welche es sich bereits im März hatte verpfänden lassen, als Eigenthum überwiesen und darauf vom Bundestage Auflösung und Verkauf der Flotte beschlossen.

Noch heute ist der Name des oldenburgischen Staatsrathes Hannibal Fischer, als des Mannes, welcher die deutsche Flotteunter den Hammer brachte", verrufen. Selten aber ist Jemand ungerechter beschuldigt worden als dieser Mann. Er war nichts als das Werkzeug des Bundestages, welcher das Verkaufsgeschäft nicht selbst in die Hand nehmen wollte, trotzdem Preußen zur ALcommandirung von Beamten bereit war. Herr Fischer wurde durch den oldenburgischen Gesandten in Vorschlag gebracht. Seine Regierung protestirte erst, wahrscheinlich auf Hannovers Betreiben, gegen seine Ernennung, dann aber fügte sie sich. Sehr geschickt hat der Commissar sein Geschäft nicht besorgt. Er faßte seine Aufgabe viel zu großartig auf, und es bedurfte mehrerer Ernüchterungen, bevor er sie vom richtigen Gesichtspunkte ans ansah. In Preußen waren der König und besonders Prinz Adalbert und der Kriegsminister sehr geneigt, alle noch etwa brauchbaren Schiffe für die preußische Marine zu erwerben. Die anderen Staaten und die Presse, welche ursprünglich gegen eine derartige Absicht heftig protestirt hatten, sahen mit der Zeit auch ein, daß eine solche Stärkung der preußischen Flotte den Zollvereinsinteressen am besten zu Nutze kommen würde und erhoben ihre Stimme dafür. Aber der preußische Finanzminister erklärte sich mit Bestimmtheit gegen solche Ausgaben. An feinem Einsprüche scheiterten die Wünsche des Prinzen Adalbert. Oesterreich hat kein Geldgebot gemacht. Es wollte einzelne Fahrzeuge nur gegen Anrechnung auf seine Vorschüsse übernehmen, worauf die anderen Staaten nicht eingingen. Der Wettbewerb von sonstiger Seite um die Schiffe war auch nicht groß. Das ganze Material ist daher zu Spottpreisen losgefchlagen worden. Die sechs kleineren Corvetten hat eine englische Gesellschaft für nur 268 000 Thaler, d. h. vierzig Procent der niedrigen Fischerffchen Taxen gekauft. Die zwei großen Dampfer brachten 165 000 Thaler, die sechsundzwanzig Kanonenboote gar nur 106 000 Thaler.

War das in der Eile geschaffene Geschwader auch nicht sehr werthvoll, so ist der Ausgang, den es genommen, doch nicht weniger zu bedauern. Es hätte immerhin der Handelspolitik des Zollvereins gute Dienste zu leisten vermocht und eine Erziehungs­anstalt für Flottenpersonal abgegeben. So viel aber erhellt aus der Zimmermannffchen Darstellung mit Bestimmtheit, daß die Schuld an jenem Ausgange Preußen nicht beizumessen ist. Wäre König Friedrich Wilhelm IV. mit seinen Absichten durch­gekommen, so wäre die einzige dauernde Schöpfung des Frankfurter Parlaments Deutsch­land erhalten geblieben.