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Deutsche Rundschau.
Dichters und aus seiner Zurückhaltung gegen alle fremde Bewunderung, als aus der besonderen Art der Hebbelstchen Dichtung, für die gerade Uhland weder Sympathie noch ein tieferes Interesse haben konnte.
In die Nähe Schiller's führt die Biographie und Charakteristik Friedrich Haug's, der als Epigrammatiker einen Platz in der Literatur behauptet und auch um seiner liebenswürdigen Persönlichkeit willen ein bescheidenes Denkmal verdient hat. Nicht minder bewährt in der Schilderung des Dante-Uebersetzers Fr. Notier sich Fischer's biographische Kunst. Das Bild des edlen, lauteren Mannes, der auch politisch um seine Heimath verdient war, ist mit besonderer Liebe und Feinheit aus- gesührt. Aus dem wirklichen Briefwechsel, den die Freunde Notier und Paul Pfizer mit einander führten, ist der „Briefwechsel zweier Deutschen" hervorgegangen, der, nach der Julirevolution erschienen, das erste süddeutsche Bekenntniß zur Idee der preußischen Hegemonie war. In dem Aufsatz: „Mörike, L. Bauer und Waiblinger", inter- efsiren besonders die mitgetheilten Jugendbriefe Mörikcks an Waiblinger, die schon ganz die mimosenhafte Eigenart des Dichters, seinen Hang zu mystischer Abgeschiedenheit, zu traumartigem Sicheinspinnen bekunden, sehr im Gegensatz zu dem laut und selbstgefällig sich vordrängenden Wesen Waiblinger's, von dem sich denn auch die Freunde schon in Tübingen abzuwenden begannen.
Einer ganz anderen Zeit gehört der Dichter an, dessen Lebensbild an der Spitze dieser Beiträge steht. Rudolph Weckherlin ist der unmittelbare Vorgänger Opitzens, der schwäbische Vertreter der classicistischen Renaissancepoesie; seine Heimath hat er aber frühzeitig verlassen; der höfisch gebildete Mann wurde Diplomat und trat in englische Dienste, wie er denn auch in London im Jahre 1653 gestorben ist, nachdem ein größerer Dichter, John Milton, ihn als Secretär des Staatsraths abgelöst hatte. Weckherlin's Leben ist vielfach in Dunkel gehüllt, und es war ein Verdienst, Alles geordnet zusammenzustellen, was sich über den Verschollenen hat ermitteln lassen. Fischer konnte das bisher Bekannte durch eigene Forschungen ergänzen, wie er denn überhaupt nur solche Studien hier vereinigt hat, bei denen er Eigenes zu geben und Neues mitzutheilen im Stande war.
W. Lang.
Der „kriiieipv" des Macchiavelli.
I,. LmN: „II t?rwc:ip6 öv Mceoto NaoeüiLvsllll. Oxkorä at rli6 l'lLi'omlon kross 1891.
Während Italiener und Franzosen zumeist, nach ihnen die Deutschen, sich mit eifriger Vorliebe dem Studium Macchiavelli^s gewidmet haben, sind kürzere Studien von Macaulay, Hallam, Symonds, Roscoe und Napier bis jetzt der Beitrag Englands gewesen. Der vorliegende Band, von der Clarendon Presse zu Oxford mit der gewohnten, mustergültigen Ausstattung edirt, füllt die Lücke Wohl endgültig für das englisch sprechende Publicum aus. Nichts ist versäumt, um das Verständniß des großen Florentiners zu vermitteln und sein Werk im Lichte der Zeitereignisse zu erhellen, ohne welche es, wie ein unaufgelöstes Räthsel, jeder Deutung sich verschließt. Eine umfassende Bibliographie, einleitende Worte des Herausgebers über Absicht und Zweck des „krineixe" und seine Beurtheilung durch die Kritik des sechzehnten und siebzehnten Jahrhunderts, genealogische Tabellen des Hauses Macchiavelli und der großen zeitgenössischen, italienischen Geschlechter, eine nach den besten Quellen gearbeitete Darstellung der Zeit vom Geburtsjahr Macchiavelli^, 1469, bis zu seinem 1527 erfolgten Tode, Textkritik und Erläuterungen zu den sechsundzwanzig Capiteln des berühmten Buches selbst und endlich noch ein Appendix über Macchiavelli's Be-